Alles was Sie zur Gewerbesteuer wissen sollten

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Gespeichert von Abteilung V am 30. Juli 2015
Junge Gesschäftsfrau im Gespräch mit Mitarbeiterin

Alles was Sie zur Gewerbesteuer wissen sollten

Gewerbetreibende in Deutschland sind grundsätzlich gewerbesteuerpflichtig. Darin unterscheidet sich Deutschland von anderen Staaten, denn nur hier wird eine Steuer in dieser Form erhoben. In anderen Staaten ist sie unbekannt. Geschichtlich geht sie bis auf das Jahr 1936 zurück. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit dieser Steuer, denn auch der Weg, den eine Gewerbesteuererklärung bis hin zu einem Gewerbesteuerbescheid geht, ist ein besonderer. Der nachfolgende Text soll Ihnen einen Überblick rund um das Thema Gewerbesteuer geben.

Die Gewerbesteuer wird von der Gemeinde erhoben, in der Ihr Unternehmen seinen Hauptsitz hat. Damit ist die Gewerbesteuer die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden und Kommunen. Dennoch müssen Sie ihre Gewerbesteuererklärung beim Finanzamt abgeben. Das Finanzamt ermittelt auf Grundlage Ihrer Angaben den so genannten Gewerbesteuermessbetrag und teilt diesen der für Ihr Unternehmen zuständigen Gemeinde mit. Die Gemeinde multipliziert den Gewerbesteuermessbetrag mit dem gemeindeindividuellen Hebesatz und ermittelt so die Höhe der Gewerbesteuer, die Sie zahlen müssen. Den Gewerbesteuerbescheid erhalten Sie daher auch von Ihrer Gemeinde. Die Hebesätze können von Gemeinde zu Gemeinde sehr stark variieren, da die Gemeinden die Höhe selbst festlegen.

So arbeiten Ihr Finanzamt und Ihre Gemeindeverwaltung bei der Gewerbesteuer zusammen

Gewerbesteuererklärung

 

Aufgabe Ihres Finanzamts

Sie reichen Ihre Gewerbesteuererklärung bei Ihrem Finanzamt ein. Anhand Ihrer Angaben in Ihrer Gewerbesteuererklärung ermittelt Ihr Finanzamt den Gewerbesteuermessbetrag für Ihr Unternehmen. Dieser Bescheid wird an die zuständige Gemeinde weitergeleitet.

 

Aufgabe Ihrer Gemeinde

Die Gemeinde multipliziert den Gewerbesteuermessbetrag mit dem gemeindeindividuellen Hebesatz, so ermittelt sie die Höhe der Gewerbesteuer, die Sie für Ihr Unternehmen zahlen müssen. Die Gemeinde erstellt einen Gewerbesteuerbescheid. Zusammen mit dem Gewerbesteuerbescheid Ihrer Gemeinde erhalten Sie oft auch den Bescheid über den Gewerbesteuermessbetrag, den das Finanzamt erlassen hat. Der Zahlungsverkehr (Nachzahlungen und Erstattungen von Gewerbesteuer) wird über die hebeberechtigte Gemeinde abgewickelt.

 

Besonderheit: Einspruch gegen Gewerbesteuermessbescheid ist nur bei Ihrem Finanzamt möglich

Zusammen mit dem Gewerbesteuerbescheid Ihrer Gemeinde erhalten Sie auch den Bescheid über den Gewerbesteuermessbetrag, den das Finanzamt erlassen hat. Sind hier Fehler enthalten, müssen Sie bei Ihrem Finanzamt und nicht bei Ihrer Gemeinde Einspruch einlegen. Das heißt: obwohl Sie den Bescheid von Ihrer Gemeinde erhalten, sind Einwände gegen den Bescheid bei Ihrem Finanzamt zu erklären.

 

Gewerbesteuervorauszahlungen an Ihre Gemeinde

Sind Sie verpflichtet Gewerbesteuer-Vorauszahlungen zu leisten, so sind diese bei der hebeberechtigten Gemeinde zu entrichten. 
Vorauszahlungstermine für Ihre Gewerbesteuer-Zahlungen an Ihre Gemeinde sind der 15. Februar, 15. Mai, 15. August und der 15. November eines jeden Jahres.

Berechnungsschema: So ermittelt das Finanzamt Ihren Gewerbesteuermessbetrag und die Gemeinde Ihre Gewerbesteuer

Dem nachfolgenden Berechnungsschema können Sie entnehmen, wie Ihr Finanzamt Ihren Gewerbesteuermessbetrag ermittelt und die Gemeinde die Gewerbesteuer:

  Gewinn/Verlust aus Gewerbebetrieb
+ Hinzurechnungen
- Kürzungen
= Gewerbeertrag vor Verlustverrechnung
- Kürzung um Verlustvortrag
= Gewerbeertrag nach Verlustverrechnung
- Abrundung des Gewerbeertrags auf glatte 100 €
- ggfs. Gewerbesteuerfreibetrag (24.500 €)
= Gewerbeertrag
  Gewerbeertrag x Steuermesszahl (3,5 %)
= Gewerbesteuermessbetrag (Finanzamt)
  Messbetrag x Hebesatz der Gemeinde (mind. 200 %)
= Gewerbesteuer (Gemeinde)

Hinweis: Kein Freibetrag für Kapitalgesellschaften

Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften wird bei der Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags noch ein Freibetrag von 24.500 € abgezogen. Dieser gilt nicht für Kapitalgesellschaften. Die Gewerbesteuer ist nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig.
 

So wird eine Doppelbesteuerung vermieden

Ihren Gewinn aus Gewerbebetrieb erklären Sie sowohl in Ihrer Gewerbesteuererklärung als auch in Ihrer Einkommensteuererklärung (Anlage G).
Darüber hinaus ist die Gewerbesteuer nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig. Um eine Doppelbesteuerung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu vermeiden, regelt § 35 EStG die Steuerermäßigung bei Einkünften aus Gewerbebetrieb. Der Ermäßigungsbetrag wird maschinell von Amtswegen berechnet und mindert Ihre Einkommensteuer. Für die maschinelle Berechnung dieser Steuerermäßigung denken Sie bitte an die Angabe des Gewerbesteuermessbetrages, der zu zahlenden Gewerbesteuer und die Angabe der Summe aller positiven Einkünfte auf der Anlage G Ihrer Einkommensteuererklärung.
 

Gewerbesteuer für Bilanzierende

Im Rahmen der Bilanzerstellung werden Sie zunächst eine Handelsbilanz und ggf. eine Steuerbilanz aufstellen. Hier weisen Sie die Gewerbesteuer als Aufwand aus. Der ausgewiesene Gewinn ist um die nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben (z. B. Bewirtungskosten, Geschenke, Gewerbesteuer) außerhalb der Bilanz zu erhöhen. Der so korrigierte (steuerliche) Gewinn ist die Ausgangsgröße zur Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags. Der steuerliche Gewinn ist in Ihrer Gewerbesteuererklärung zu erfassen.
 

Das verbirgt sich hinter den Hinzurechnungen

Wie Sie dem Berechnungsschema (s. o.) entnehmen können, werden bei der Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrages ausgehend vom steuerlichen Gewinn diverse Hinzurechnungen (vgl. § 8 GewStG) und Kürzungen (vgl. § 9 GewStG) vorgenommen. Damit der Gewerbesteuermessbetrag korrekt durch Ihr Finanzamt ermittelt werden kann, müssen Sie die Hinzurechnungen und Kürzungen in Ihrer Gewerbesteuererklärung in den dafür vorgesehenen Kennziffern angeben. Bitte beachten Sie, dass Sie die Aufwendungen und Erträge entsprechend Ihrer Gewinnermittlung erklären. Eine anteilige Berücksichtigung (z. B. 20 Prozent der Miet- und Pachtaufwendungen) und Freibeträge bei der Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrages werden maschinell anhand der eingetragenen Werte berücksichtigt.   
Nachfolgend stellen wir Ihnen die wichtigsten Positionen vor, die zu Ihrem Gewinn hinzugerechnet werden und so die Ausgangsgröße für die Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags erhöhen:

Lfd. Nr. Inhalt der Vorschrift
1. Entgelte für Schulden (alle Arten von Zinsaufwendungen)
2. Entgelte für Renten und
3. dauernde Lasten
4. Gewinnanteile eines stillen Gesellschafters
5. 20 % der Miet- und Pachtzinsen (einschließlich Leasingraten) für die Benutzung von beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens
6. 50 % der Miet- und Pachtzinsen (einschließlich Leasingraten) bei der Benutzung von unbeweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens
7. 25 % der Aufwendungen für die zeitlich befristete Überlassung von Rechten (Konzessionen und Lizenzen)
8. Vor Hinzurechnung der oben genannten Beträge wird ein Freibetrag von 100.000 € abgezogen. Der den Freibetrag übersteigende Betrag wird dann mit 25 % bei der Ermittlung des Gewerbeertrags berücksichtigt.
Das verbirgt sich hinter den Kürzungen

In § 9 GewStG sind in den Nummern 1 bis 8 die gesamten Kürzungen aufgeführt, die nach dem Gewerbesteuergesetz vorgenommen werden müssen.
Hierbei handelt es sich um:

Lfd. Nr.  Inhalt der Vorschrift
1. 1,2 % des Einheitswerts des zum Betriebsvermögen gehörenden Grundbesitzes, sofern Grundsteuer darauf zu zahlen ist
2. Anteile am Gewinn einer offenen Handelsgesellschaft
3. Teil des Gewerbeertrags eines inländischen Unternehmens, der auf ein nicht im Inland belegene Betriebsstätte fällt
4. Spenden, die aus dem Vermögen des Betriebs geleistet werden
Wenn Sie mehrere Betriebsstätten haben, wird Ihr Gewerbesteuermessbetrag zerlegt

Mehrere Betriebsstätten machen Gewerbesteuerzerlegungserklärung erforderlich

Sofern Sie in unterschiedlichen Gemeinden Betriebsstätten unterhalten, fügen Sie Ihrer Gewerbesteuererklärung zusätzlich die „Erklärung für die Zerlegung des Gewerbesteuermessbetrags“ bei.

Erklärung für die Zerlegung des Gewerbesteuermessbetrag_FM
 

Der Gewerbesteuermessbetrag wird vom Finanzamt aufgeteilt

Das Gewerbesteueraufkommen steht der jeweiligen Gemeinde zu, in deren Einzugsbereich Sie Ihre Betriebstätte unterhalten. Verfügen Sie über mehrere Betriebsstätten in unterschiedlichen Gemeinden, wird Ihr Gewerbesteuermessbetrag auf die einzelnen Gemeinden aufgeteilt. In der Fachsprache ist dies die so genannte Gewerbesteuerzerlegung. Aufteilungsmaßstab ist dabei das Verhältnis der Lohn- und Gehaltsummen aller zum Unternehmen gehörenden Betriebsstätten zur Lohn- und Gehaltssumme der Betriebsstätte in der betreffenden Gemeinde.

Beispiel

Sie betreiben in zwei unterschiedlichen Gemeinden Bäckereien. Die Arbeitslöhne betragen in Ihrem Unternehmen insgesamt 100.000 €. Hiervon entfallen 75.000 € auf Ihr Hauptgeschäft und 25.000 € auf die Filiale in der Nachbargemeinde.

Der Gewerbesteuermessbetrag wird nach dem Verhältnis der Arbeitslöhne aufgeteilt. 75 % des Gewerbesteuermessbetrags entfallen auf Ihr Hauptgeschäft und 25 % auf die Nachbargemeinde. Das Finanzamt ermittelt folglich für beide Gemeinden den anteiligen Gewerbesteuermessbetrag und übermittelt diesen per Bescheid an die Gemeinde. Nun multipliziert jede Gemeinde den für sie ermittelten Gewerbesteuermessbetrag mit dem gemeindeindividuellen Hebesatz. Sie erhalten anschließend zwei Gewerbesteuerbescheide.

Übermitteln Sie Ihre Gewerbesteuererklärung authentifiziert

Sie sind verpflichtet Ihre Gewerbesteuererklärung authentifiziert an die Finanzverwaltung elektronisch zu übermitteln. Weitere Einzelheiten haben wir für Sie in dem Beitrag „Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen ELSTER (Elektronische Steuererklärung) bietet“ zusammengestellt, den Sie hier abrufen können. Die Abgabefrist für die Gewerbesteuererklärung endet am 31. Mai des Folgejahres. Werden Sie durch einen Vertreter der steuerberatenen Berufe beraten, verlängert sich Ihre Abgabefrist bis zum 31. Dezember des Folgejahres.

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Diese finden Sie im Formular-Management-System (FMS) der Bundesfinanzverwaltung. Im Formularcenter finden Sie alle Vordrucke, die Sie benötigen.

 

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