Alles was Sie zur Gewerbesteuer wissen sollten

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Gespeichert von Abteilung V am 30. Juli 2015
Junge Gesschäftsfrau im Gespräch mit Mitarbeiterin

Alles was Sie zur Gewerbesteuer wissen sollten

Gewerbetreibende in Deutschland sind grundsätzlich gewerbesteuerpflichtig. Der nachfolgende Text soll Ihnen einen Überblick rund um das Thema Gewerbesteuer geben.

Die Gewerbesteuer wird von der Gemeinde erhoben, in der Ihr Unternehmen seine Betriebsstätte hat. Damit ist die Gewerbesteuer - neben der Grundsteuer - die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden und Kommunen. Dennoch müssen Sie Ihre Gewerbesteuererklärung beim Finanzamt abgeben. Das Finanzamt ermittelt auf der Grundlage Ihrer Angaben den so genannten Gewerbesteuermessbetrag und teilt diesen der für Ihr Unternehmen zuständigen Gemeinde mit. Die Gemeinde multipliziert den Gewerbesteuermessbetrag mit dem gemeindeindividuellen Hebesatz und ermittelt so die Höhe der Gewerbesteuer, die Sie zahlen müssen. Den Gewerbesteuerbescheid erhalten Sie daher auch von Ihrer Gemeinde. Die Hebesätze können von Gemeinde zu Gemeinde sehr stark variieren, da die Gemeinden die Höhe selbst festlegen.

So arbeiten Ihr Finanzamt und Ihre Gemeindeverwaltung bei der Gewerbesteuer zusammen

Gewerbesteuererklärung

 

Aufgabe Ihres Finanzamts

Sie reichen Ihre Gewerbesteuererklärung bei Ihrem Finanzamt ein. Anhand Ihrer Angaben in Ihrer Gewerbesteuererklärung ermittelt Ihr Finanzamt den Gewerbesteuermessbetrag für Ihr Unternehmen. Der Bescheid über den Gewerbesteuermessbetrag wird Ihnen unmittelbar durch Ihr Finanzamt bekanntgegeben. Die zuständige Gemeinde wird über den Inhalt des Gewerbesteuermessbescheids informiert, da sie diese Informationen als Grundlage für die Festsetzung der Gewerbesteuer benötigt.

Aufgabe Ihrer Gemeinde

Die Gemeinde multipliziert den Gewerbesteuermessbetrag mit dem gemeindeindividuellen Hebesatz. So ermittelt sie die Höhe der Gewerbesteuer, die Sie für Ihr Unternehmen zahlen müssen. Die Gemeinde erstellt einen Gewerbesteuerbescheid, den Sie Ihnen bekannt gibt. Der Zahlungsverkehr (Nachzahlungen und Erstattungen von Gewerbesteuer) wird über die hebeberechtigte Gemeinde abgewickelt.

 

Besonderheit: Zwei Bescheide.
Ein Einspruch gegen den Gewerbesteuermessbescheid ist nur bei Ihrem Finanzamt möglich

Sie erhalten insgesamt zwei Bescheide: Den Bescheid über den Gewerbesteuermessbetrag von Ihrem Finanzamt und den Gewerbesteuerbescheid von Ihrer Gemeinde (s. o.).
Ihr Finanzamt informiert die zuständige Gemeinde über den Inhalt Ihres Gewerbesteuermessbescheids. Auf dieser Grundlage ermittelt Ihre Gemeinde die Höhe der Gewerbesteuer und erstellt einen Gewerbesteuerbescheid (s. o.). Ihre Gemeinde ist dabei an die Angaben des Finanzamtes gebunden.
Falls Sie Einwände gegen die Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrages haben, müssen Sie daher bei Ihrem Finanzamt und nicht bei Ihrer Gemeinde gegen den Gewerbesteuermessbescheid Einspruch einlegen.

Gewerbesteuervorauszahlungen an Ihre Gemeinde

Sind Sie verpflichtet Gewerbesteuer-Vorauszahlungen zu leisten, so sind diese bei der hebeberechtigten Gemeinde zu entrichten. 
Vorauszahlungstermine für Ihre Gewerbesteuer-Zahlungen sind der 15. Februar, 15. Mai, 15. August und der 15. November eines jeden Jahres.

Berechnungsschema: So ermittelt das Finanzamt Ihren Gewerbesteuermessbetrag und die Gemeinde Ihre Gewerbesteuer

Dem nachfolgenden Berechnungsschema können Sie entnehmen, wie Ihr Finanzamt Ihren Gewerbesteuermessbetrag ermittelt und die Gemeinde die Gewerbesteuer:

  Gewinn/Verlust aus Gewerbebetrieb
+ Hinzurechnungen
- Kürzungen
= Gewerbeertrag vor Verlustverrechnung
- Kürzung um Verlustvortrag
= Gewerbeertrag nach Verlustverrechnung
- Abrundung des Gewerbeertrags auf volle 100 €
- ggfs. Gewerbesteuerfreibetrag (24.500 €)
= Gewerbeertrag
  Gewerbeertrag x Steuermesszahl (3,5 %)
= Gewerbesteuermessbetrag (Finanzamt)
  Messbetrag x Hebesatz der Gemeinde (mind. 200 %)
= Gewerbesteuer (Gemeinde)

Hinweis: Kein Freibetrag für Kapitalgesellschaften

Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften wird bei der Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags ein Freibetrag von 24.500 € abgezogen. Dieser gilt nicht für Kapitalgesellschaften.
 

So wird eine Doppelbesteuerung vermieden

Ihren Gewinn aus Gewerbebetrieb erklären Sie sowohl in Ihrer Gewerbesteuererklärung als auch in Ihrer Einkommensteuererklärung (Anlage G).
Die Gewerbesteuer ist nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig (§ 4 Absatz 5b EStG). Um eine Doppelbesteuerung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu vermeiden, regelt § 35 EStG die Steuerermäßigung bei Einkünften aus Gewerbebetrieb. Der Ermäßigungsbetrag wird maschinell von Amtswegen berechnet und mindert Ihre Einkommensteuer. Für die maschinelle Berechnung dieser Steuerermäßigung denken Sie bitte an die Angabe des Gewerbesteuermessbetrages, der zu zahlenden Gewerbesteuer und die Angabe der Summe aller positiven Einkünfte auf der Anlage G Ihrer Einkommensteuererklärung.
 

Gewerbesteuer für Bilanzierende

Im Rahmen der Bilanzerstellung werden Sie zunächst eine Handelsbilanz und ggf. eine Steuerbilanz aufstellen. Hier weisen Sie die Gewerbesteuer als Aufwand aus. Der ausgewiesene Gewinn ist um die nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben (z. B. Bewirtungskosten, Geschenke, Gewerbesteuer) außerhalb der Bilanz zu erhöhen. Der so korrigierte (steuerliche) Gewinn ist die Ausgangsgröße zur Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags. Der steuerliche Gewinn ist in Ihrer Gewerbesteuererklärung zu erfassen.
 

Das verbirgt sich hinter den Hinzurechnungen

Wie Sie dem Berechnungsschema (s. o.) entnehmen können, werden bei der Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrages ausgehend vom steuerlichen Gewinn diverse Hinzurechnungen (vgl. § 8 GewStG) und Kürzungen (vgl. § 9 GewStG) vorgenommen. Damit der Gewerbesteuermessbetrag korrekt durch Ihr Finanzamt ermittelt werden kann, müssen Sie die Hinzurechnungen und Kürzungen in Ihrer Gewerbesteuererklärung in den dafür vorgesehenen Kennziffern angeben. Bitte beachten Sie, dass Sie die Aufwendungen und Erträge entsprechend Ihrer Gewinnermittlung erklären. Eine anteilige Berücksichtigung (z. B. 20 Prozent der Miet- und Pachtaufwendungen) und Freibeträge bei der Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrages werden maschinell anhand der eingetragenen Werte berücksichtigt.   
Nachfolgend stellen wir Ihnen die wichtigsten Positionen vor, die zu Ihrem Gewinn hinzugerechnet werden und so die Ausgangsgröße für die Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags erhöhen:

§ 8 Nr. Inhalt der Vorschrift
1. Finanzierungsaufwendungen
  a. Entgelte für Schulden (alle Arten von Zinsaufwendungen)
  b. Entgelte für Renten und
  dauernde Lasten
  c. Gewinnanteile eines stillen Gesellschafters
  d. 20 % der Miet- und Pachtzinsen (einschließlich Leasingraten) für die Benutzung von beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens
  e. 50 % der Miet- und Pachtzinsen (einschließlich Leasingraten) bei der Benutzung von unbeweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens
  f. 25 % der Aufwendungen für die zeitlich befristete Überlassung von Rechten (Konzessionen und Lizenzen)
  Vor Hinzurechnung der oben genannten Finanzierungsaufwendungen wird ein Freibetrag von 100.000 € abgezogen. Der den Freibetrag übersteigende Betrag wird dann mit 25 % bei der Ermittlung des Gewerbeertrags berücksichtigt.
Das verbirgt sich hinter den Kürzungen

In § 9 GewStG sind in den Nummern 1 bis 8 die gesamten Kürzungen aufgeführt, die nach dem Gewerbesteuergesetz vorgenommen werden müssen.
Hierbei handelt es sich unter anderem um:

§ 9 Nr.  Inhalt der Vorschrift
1. 1,2 % des Einheitswerts des zum Betriebsvermögen gehörenden Grundbesitzes, sofern Grundsteuer darauf zu zahlen ist
2. Anteile am Gewinn einer offenen Handelsgesellschaft
3. Teil des Gewerbeertrags eines inländischen Unternehmens, der auf ein nicht im Inland belegene Betriebsstätte fällt
4. (entfallen)
5. Spenden, die aus dem Vermögen des Betriebs geleistet werden
Wenn Sie mehrere Betriebsstätten haben, wird Ihr Gewerbesteuermessbetrag zerlegt

Mehrere Betriebsstätten machen Gewerbesteuerzerlegungserklärung erforderlich

Sofern Sie in unterschiedlichen Gemeinden Betriebsstätten unterhalten, wird Ihr Gewerbesteuermessbetrag zerlegt. Fügen Sie Ihrer Gewerbesteuererklärung hierzu zusätzlich die „Erklärung für die Zerlegung des Gewerbesteuermessbetrags“ bei.
Das gleiche gilt, wenn Sie Ihren Betrieb innerhalb eines Jahres in eine andere Gemeinde verlegt haben.
 

Der Gewerbesteuermessbetrag wird vom Finanzamt aufgeteilt

Das Gewerbesteueraufkommen steht der jeweiligen Gemeinde zu, in deren Einzugsbereich Sie Ihre Betriebstätte unterhalten. Verfügen Sie über mehrere Betriebsstätten in unterschiedlichen Gemeinden, wird Ihr Gewerbesteuermessbetrag auf die einzelnen Gemeinden aufgeteilt. In der Fachsprache ist dies die so genannte Gewerbesteuerzerlegung. Aufteilungsmaßstab ist dabei regelmäßig das Verhältnis der Lohn- und Gehaltsummen aller zum Unternehmen gehörenden Betriebsstätten zur Lohn- und Gehaltssumme der Betriebsstätte in der betreffenden Gemeinde.

Beispiel

Sie betreiben in zwei unterschiedlichen Gemeinden Bäckereien. Die Arbeitslöhne betragen in Ihrem Unternehmen insgesamt 100.000 €. Hiervon entfallen 75.000 € auf Ihr Hauptgeschäft und 25.000 € auf die Filiale in der Nachbargemeinde.

Der Gewerbesteuermessbetrag wird nach dem Verhältnis der Arbeitslöhne aufgeteilt. 75 % des Gewerbesteuermessbetrags entfallen auf Ihr Hauptgeschäft und 25 % auf die Nachbargemeinde. Das Finanzamt ermittelt folglich für beide Gemeinden den anteiligen Gewerbesteuermessbetrag und teilt diesen den Gemeinden mit. Nun multipliziert jede Gemeinde den für sie ermittelten Gewerbesteuermessbetrag mit dem gemeindeindividuellen Hebesatz. Sie erhalten anschließend zwei Gewerbesteuerbescheide.

Übermitteln Sie Ihre Gewerbesteuererklärung authentifiziert

Sie sind verpflichtet Ihre Gewerbesteuererklärung authentifiziert an die Finanzverwaltung elektronisch zu übermitteln. Weitere Einzelheiten haben wir für Sie in dem Beitrag „Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen ELSTER (Elektronische Steuererklärung) bietet“ zusammengestellt, den Sie hier abrufen können. Die Abgabefrist für die Gewerbesteuererklärung endet am 31. Juli des Folgejahres. Werden Sie durch einen Vertreter der steuerberatenen Berufe beraten, verlängert sich Ihre Abgabefrist bis zum letzten Tag des Monats Februar des Zweitfolgejahres.

Sie sind auf der Suche nach Vordrucken und Formularen?

Diese finden Sie im Formular-Management-System (FMS) der Bundesfinanzverwaltung.

 

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