Eine Vorliebe zum Beruf gemacht - als Übersetzer in der Finanzverwaltung

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Gespeichert von Astrid Barbara Mohr am 7. April 2017
7. April 2017

Eine Vorliebe zum Beruf gemacht - als Übersetzer in der Finanzverwaltung

Fast täglich landen fremdsprachige Texte auf den Schreibtischen der Finanzämter. Verträge und Gutachten in englischer Sprache, die von international agierenden Konzernen eingereicht werden, gehören zum Alltagsgeschäft der Finanzverwaltung. Dorothea von Geisau und Volker Berchner nehmen sich der Übersetzung dieser Texte an. Sie sind von der IHK geprüfte und vor Gericht anerkannte Übersetzer.

Beide hatten schon immer eine Leidenschaft für die englische Sprache. „Ich bin immer sehr gerne in die USA und nach England gereist“, erzählt Volker Berchner. Als sein erster Sohn geboren wurde, entschied er sich, ihn zweisprachig aufwachsen zu lassen. „Bis heute spreche ich mit meinen drei Kindern ausschließlich Englisch.“ Dorothea von Geisau kam schon als Kind mit der englischen Sprache in Berührung. Nach ihrer Geburt lebte ihre Familie zunächst in New York. Kurz nach ihrem siebten Geburtstag zogen sie dann in die südenglische Stadt Havant, wo sie die örtliche Grundschule besuchte. Englisch spricht Dorothea von Geisau daher von Kindesbeinen an fließend.               
Dass sie jemals in ihrem Beruf mit Sprachen und Übersetzungen zu tun haben würden, hätten die beiden trotzdem nicht gedacht. Sie wollten in die Finanzverwaltung. Volker Berchner aufgrund seiner Leidenschaft für Recht und für Zahlen. Dorothea von Geisau bewarb sich wegen der Krisensicherheit und der Vielfalt des Jobs. Heute ist Volker Berchner Steuerfahnder in Düsseldorf und Dorothea von Geisau arbeitet in der Groß- und Konzernbetriebsprüfung (GKBP) in Bonn. Daneben sind sie aber auch Übersetzer. Diese Kombination - Finanzbeamter und Übersetzer - ist in NRW einmalig. Der Weg dorthin war jedoch keineswegs geplant, sondern zeichnete sich eher zufällig im Verlauf ihres Berufslebens ab.  

Ein ganz normaler Karrierestart

Wie jeder Finanzbeamte startete auch Volker Berchner seine Laufbahn im Veranlagungsbezirk. Weiter ging es in der Straf- und Bußgeldsachenstelle des Finanzamts für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung in Düsseldorf. Und nach sechs Jahren als Geschäftsstellenleiter landete er schließlich bei der Steuerfahndung. Eher zufällig bekam er immer häufiger mit der englischen Sprache zu tun. „Kollegen kamen auf mich zu und baten mich, einen Text zu übersetzen, eine E-Mail zu schreiben oder ein Telefonat in englischer Sprache zu führen, weil sie wussten, dass ich die Sprache gut beherrsche“. Seine Arbeit bei der Steuerfahndung war durch die intensive Kontaktpflege mit ausländischen Behörden immer auch international geprägt. Eine enge Freundschaft verbindet ihn beispielsweise mit einem ehemaligen amerikanischen Steuerfahndungsattaché aus Connecticut. Als Dank für die gute Zusammenarbeit schenkte der Kollege ihm eine Ehrentafel (s. Foto), die nun Volker Berchners Arbeitszimmer ziert. Sein jüngster Sohn wird bei ihm das kommende Schuljahr als Austauschschüler an einer High School verbringen. Das internationale Umfeld gehörte für Volker Berchner somit schon lange zu seiner Arbeit dazu. Die Anregung, sich als Übersetzer weiter zu qualifizieren, erhielt er aber erst durch seine Kollegin Dorothea von Geisau.
 

Das Geschenk eines amerikanischen Steuerfahndungsattachés: „In recognition of your outstanding assistance, cooperation and support…”

Dorothea von Geisau nahm nach den ersten vier Berufsjahren eine längere Auszeit, um sich um ihre drei Kinder kümmern zu können. Ihr Wiedereintritt ins Arbeitsleben brachte sie zunächst in den Körperschaftssteuerbezirk, wo sie auch ihre Übersetzertätigkeit begann. „Am Anfang durfte ich nur für mein eigenes Haus übersetzen“, berichtet sie rückblickend. „Sobald Zuständigkeiten wechselten und der Fall das Haus verließ, war ich nicht mehr für die Übersetzungen zuständig.“ Schnell wurde jedoch klar, dass dem Land hohe Steuereinnahmen entgehen, wenn der Fachübersetzer den Fall nicht ämterübergreifend betreut. So begann Dorothea von Geisau also auch für andere Dienststellen zu übersetzen.  Mit ihrem Wechsel GKBP konnte sie ihre Übersetzertätigkeit deutlich ausbauen. Heute ist sie sogar zu 50 % von ihrer originären Tätigkeit in der GKBP freigestellt, um sich sowohl dem Übersetzen als auch dem Unterrichten der Kolleginnen und Kollegen widmen zu können.

Wertvolles Wissen weitergeben

Denn Volker Berchner und Dorothea von Geisau haben sich längst auch die Vermittlung von Fremdsprachenkenntnissen zur Aufgabe gemacht. Sie sind zwei von zwanzig Fremdsprachentrainern in der Finanzverwaltung NRW. „Gerade für Kollegen, die sich überwiegend mit internationalem Steuerrecht befassen, ist ein zusätzlicher Englischunterricht sehr hilfreich“, so Dorothea von Geisau. Versierte Fremdsprachenkenntnisse sind in der Finanzverwaltung von enormem Nutzen. „Es geht um Auswirkungen in Millionenhöhe“, erklärt Dorothea von Geisau. So unterstützten die beiden allein im Jahr 2015 mit ihren Übersetzungen die Beurteilung von Fällen, bei denen es um Steuereinnahmen von mehr als 600 Millionen Euro ging. Ein Großteil dieser Summe entfällt auf die strafrechtliche Aufarbeitung der mehrfach in Anspruch genommenen Kapitalertragssteuer, z.B. bei den Cum-ex Geschäften der Banken.
 

Dorothea von Geisau beim Englischunterricht im Finanzministerium

Ohne Zertifikat geht es nicht

Eigentlich bräuchte die Finanzverwaltung aber nicht nur Englischexperten. „Immer wieder werden wir auch mit türkischen, russischen, französischen oder spanischen Dokumenten konfrontiert“, so Dorothea von Geisau. Erst kürzlich musste sie eine Kollegin um eine Übersetzung aus dem Kroatischen bitten. Gute Fremdsprachenkenntnisse allein reichen aber nicht aus. Damit Übersetzungen auch vor Finanzgerichten anerkannt werden, bedarf es eines entsprechenden Zertifikats. Daher legten Volker Berchner und Dorothea von Geisau die Übersetzerprüfung der Industrie- und Handelskammer ab, die aus drei Tests besteht. Neben dem Übersetzen von deutschen und englischen Texten mussten sie ein Essay zu einem politischen oder wirtschaftlichen Thema schreiben und eine mündliche Prüfung ablegen. Beide meisterten die Prüfung ohne Schwierigkeiten.
Durch ihre Übersetzertätigkeit haben sich Volker Berchner und Dorothea von Geisau ein außergewöhnliches Profil in der Finanzverwaltung erworben. Und sie zeigen durch ihre berufliche Entwicklung, wie sich aus Eigeninitiative komplett neue Beschäftigungszweige in der Finanzverwaltung auftun können.
 

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