So werden Kleinunternehmer/-innen besteuert

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Eine Frau arbeitet am Laptop

So werden Kleinunternehmer/-innen besteuert

Vereinfacht ausgedrückt brauchen Sie sich als Kleinunternehmer um die Umsatzsteuer nicht zu kümmern. Sie übermitteln weder Umsatzsteuer-Voranmeldungen noch Umsatzsteuer-Jahreserklärungen an Ihr Finanzamt. In Ihren Rechnungen dürfen Sie die Umsatzsteuer nicht zusätzlich berechnen (offen ausweisen). Im Gegenzug können Sie auch keine Vorsteuer bei Ihrem Finanzamt geltend machen.

Wann bin ich Kleinunternehmer/-in?

Ein Kleinunternehmer ist

  • ein Unternehmer,
  • der im Inland ansässig ist und
  • dessen Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 € nicht überstiegen hat und dessen Umsatz im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 € nicht übersteigen wird.

Bei der Grenze von 50.000 € stellen Sie auf den voraussichtlichen Umsatz des kommenden Jahres ab. Maßgeblich ist die Einschätzung zu Beginn des Kalenderjahres. Ein späteres (unerwartetes) Überschreiten der Grenze ist unbeachtlich.

Beispiel 1

Dorothea Dach ist Unternehmerin mit Sitz in Düsseldorf. Sie erzielt 2015 einen Umsatz in Höhe von 15.000 €. Für 2016 rechnet sie mit einem Umsatz in Höhe von 40.000 €.

Dorothea Dach ist im gesamten Jahr 2016 Kleinunternehmerin. Abzustellen ist auf den tatsächlichen Umsatz zuzüglich Umsatzsteuer des Vorjahres (2015) und den voraussichtlichen Umsatz zuzüglich Umsatzsteuer des laufenden Jahres (2016).

Beispiel 2

Bernd Bach ist Unternehmer mit Sitz in Lippstadt. Im Jahr 2015 erzielt er einen Umsatz in Höhe von 17.000 €. Für 2016 rechnet er mit einem Umsatz in Höhe von 55.000 €.
Bernd Bach ist im gesamten Jahr 2016 nicht mehr als Kleinunternehmer zu behandeln. Zwar hat Herr Bach 2015 die Grenze für Kleinunternehmer nicht überschritten. Aber er geht davon aus, dass er im Jahr 2016 die Grenze von 50.000 € Umsatz überschreitet. Entscheidend ist daher der voraussichtliche Umsatz zuzüglich Umsatzsteuer des laufenden Jahres (2016).

Bemessungsgrundlage für Unternehmensgründer/innen ist der voraussichtliche Umsatz im Gründungsjahr 

Nehmen Sie Ihre gewerbliche oder berufliche Tätigkeit im Laufe eines Kalenderjahres neu auf, kommt es allein auf Ihren voraussichtlichen Umsatz des laufenden Kalenderjahres an. Die Grenze von 17.500 € ist maßgeblich. Üben Sie Ihre gewerbliche oder berufliche Tätigkeit nur in einem Teil des Kalenderjahres aus, so rechnen Sie Ihren tatsächlichen Gesamtumsatz auf einen Jahresgesamtumsatz hoch. Angefangene Kalendermonate behandeln Sie bei der Hochrechnung grundsätzlich als volle Kalendermonate.

Beispiel

Kevin Klein übt seine gewerbliche Tätigkeit seit dem 10. Mai 2015 in Köln aus. In der Zeit vom 10. Mai 2015 bis 31. Dezember 2015 rechnet er mit einem Umsatz von 10.000 €.

Kevin Klein ist im Jahre 2015 als Kleinunternehmer anzusehen. Der Umsatz ist auf einen Jahresgesamtumsatz hochzurechnen. Danach er gibt sich für 2015 ein voraussichtlicher Umsatz  von 10.000 € x 12/8 = 15.000 €. Da die Grenze von 17.500 € nicht über schritten wird, kommt im Jahre 2015 die Kleinunternehmerregelung zur Anwendung.

Was passiert, wenn ich die Umsatzgrenze überschreiten?

Überschreiten Sie im laufenden  Jahr die Umsatzgrenzen der Kleinunternehmerregelung (17.500 €), gilt für Sie im nächsten Jahr die Regelbesteuerung. Sie sind somit im Folgejahr verpflichtet, Ihre Leistungen zzgl. Umsatzsteuer abzurechnen. Die Umsatzsteuer führen Sie über die Umsatzsteuer-Voranmeldungen an Ihr Finanzamt ab.

Welche Konsequenzen hat die Kleinunternehmerschaft?

Bei der Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung finden folgende Vorschriften keine Anwendung (§19 Abs.1 S.4 UStG):

  1. der Vorsteuerabzug gemäß § 15 UStG,
  2. der gesonderte Ausweis der Steuer in einer Rechnung gemäß § 14 Abs. 1 UStG, 
  3. eine Steuerbefreiung für innergemeinschaftliche Lieferungen gemäß § 4 Nr. 1 a) i.V.m. § 6a UStG,
  4. der Verzicht auf Steuerbefreiungen gemäß § 9 UStG sowie
  5. die ​Angabe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer in einer Rechnung gemäß § 14 a UStG.

Wichtig: Erteilen Sie dennoch eine Rechnung in der Sie die Umsatzsteuer offen ausweisen, schulden Sie die von Ihnen ausgewiesene Umsatzsteuer, obwohl Sie Kleinunternehmer sind.

Können Sie auf die Kleinunternehmerschaft verzichten?

Ja, als Unternehmer/-in können Sie auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichten. Sie unterliegen dann der Besteuerung nach den allgemeinen Vorschriften. Der Verzicht ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie hohe Vorsteuern aus Investitionen erwarten. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn Sie Fahrzeuge, Maschinen oder Computer für Ihr Unternehmen anschaffen wollen.

Verzichten Sie auf die Anwendung der Kleinunternehmerreglung, sind Sie hieran fünf Jahre gebunden.

Kann ich als Kleinunternehmer/-in am innergemeinschaftlichen Handel teilnehmen oder innergemeinschaftliche sonstige Leistungen beziehen oder erbringen?

Auch als Kleinunternehmer können Sie am innergemeinschaftlichen Handel teilnehmen. Sie erhalten hierfür eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. 
Erwerben Sie als Kleinunternehmer Waren aus anderen EU-Mitgliedstaaten, haben Sie diesen innergemeinschaftlichen Erwerb grundsätzlich nicht zu versteuern. Übersteigt die Summe der innergemeinschaftlichen Erwerbe 12.500 € jährlich (sog. Erwerbsschwelle),  führen Sie die Erwerbsbesteuerung durch. Auch bei Erwerben unter dieser Grenze können Sie auf die Anwendung der Erwerbsschwelle verzichten. Dieser Verzicht bindet Sie für mindestens zwei Kalenderjahre.
 
Bei Erwerben aus EU-Mitgliedstaaten mit einem höheren Umsatzsteuersatz kann dies günstiger sein. Die Besteuerung der erworbenen Waren führt dazu, dass Sie Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben müssen. Ein Vorsteuerabzug ist nicht möglich. Sie entrichten die deutsche Umsatzsteuer an Ihr Finanzamt.
 
Ebenfalls können Sie als Kleinunternehmer innergemeinschaftliche sonstige Leistungen erbringen oder beziehen. Dann erhalten Sie ebenfalls eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Beziehen Sie als Kleinunternehmer von einem Unternehmer aus einem anderen EU-Mitgliedstaat sonstige Leistungen, unterliegen diese Leistungen der deutschen Umsatzsteuer. In diesem Fall sind Sie verpflichtet, Umsatzsteuer-Voranmeldungen an Ihr Finanzamt zu übermitteln und die deutsche Umsatzsteuer an das Finanzamt zu entrichten. Ein Vorsteuerabzug ist auch hier nicht möglich.

Keine Abgabe einer Zusammenfasssenden Meldung

Liefern Sie als Kleinunternehmer/-in Waren oder erbringen sonstige Leistungen an einen in einem anderen EU-Mitgliedstaat ansässigen Unternehmer, der dort die Steuer schuldet, sind Sie nicht verpflichtet, eine Zusammenfassende Meldung abzugeben.

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