Steuertipps für Existenzgründer/-innen

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Gespeichert von Abteilung V am 27. Juli 2015
Kollegen sitzen gemeinsam an einem Tisch

Steuertipps für Existenzgründerinnen und Existenzgründer

Einen Betrieb zu eröffnen, ist eine große Herausforderung und bringt viele Neuerungen mit sich. Auch steuerlich ändert sich für Sie damit Einiges. Dieser Artikel soll Ihnen einen ersten Überblick geben, was Sie zu Beginn Ihrer Existenzgründung wissen sollten. Weiterführende Informationen zum Thema sowie ausführliche Fallbeispiele finden Sie in unserer Broschüre "Steuertipps für Existenzgründerinnen und Existenzgründer", die Sie im Broschürenservice kostenlos downladen können.

Gewerbetreibende oder Angehörige der Freien Berufe - wie, wo und wann Sie Ihren Betrieb anmelden

Das gilt für Gewerbetreibende (Einkünfte §15 EStG)

Jeder Gewerbebetrieb (zum Beispiel: Handels-, Industrie- und Handwerksbetrieb) muss beim zuständigen Gewerbe- bzw. Ordnungsamt der Stadt oder Gemeinde angemeldet werden.
Für Ihre Anmeldung benötigen Sie ihren Personalausweis bzw. Reisepass sowie eventuell besondere Genehmigungen und Nachweise.

Mit der Gewerbeanmeldung werden in der Regel folgende Behörden automatisch über Ihre Betriebseröffnung informiert:

  • die  Berufsgenossenschaft,

  • die Handwerkskammer (bei Handwerksberufen),

  • die Industrie- und Handelskammer,

  • das Finanzamt.

Somit ist Ihr Finanzamt bei Gewerbetreibenden automatisch über die Anmeldung Ihres Gewerbes beim Gewerbe- oder Ordnungsamt informiert.

Das gilt für Angehörige der freien Berufe (Einkünfte §18 EStG)

Angehörige der Freien Berufe (das Steuerrecht verwendet hierfür den Begriff „selbstständig Tätige“), zum Beispiel:

  • Ärztinnen, Ärzte,
  • Rechtsanwältinnen, Rechtsan­wälte,
  • Künstlerinnen, Künstler,
  • Schriftstellerinnen, Schriftsteller,
  • Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler

melden ihren Betrieb nicht beim Gewerbeamt, sondern bei ihrem zuständigen Finanzamt an. Innerhalb eines Monats nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit sollten Sie sich bei Ihrem Finanzamt melden. Ihre Anmeldung können Sie formlos erledigen. Für eine persönliche Kontaktaufnahme steht Ihnen Ihr Finanzamt gerne zur Verfügung.

Wie kommen Sie an eine Steuernummer für Ihren Betrieb?

Aufgrund Ihrer Anmeldung des Betriebes erhält das Finanzamt Kenntnis von Ihrer Betriebsgründung. Die so genannte „Neuaufnahmestelle“ des Finanzamtes leitet nun die Aufnahme Ihres Betriebes und damit die Vergabe einer Steuernummer ein. Sollten Sie den so genannten „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung einer gewerblichen oder selbstständigen (freiberuflichen) Tätigkeit“ nicht bereits mit Ihrer Anmeldung beim Finanzamt eingereicht haben, so wird Ihnen der Fragebogen in zweifacher Ausfertigung von den Bearbeiterinnen/Bearbeitern der Neuaufnahmestelle übermittelt. Sobald Sie den Fragebogen ausgefüllt an das Finanzamt zurück geschickt haben, erfolgt die steuerliche Neuaufnahme Ihres Betriebes anhand Ihrer Angaben. Ihre Steuernummer erhalten Sie einige Tage später auf dem Postweg.

Den Fragebogen "zur steuerlichen Erfassung einer gewerblichen oder selbstständigen (freiberuflichen) Tätigkeit" können Sie auch im Formular-Management-System der Bundesverwaltung herunterladen. Unter dem Menüpunkt "Steuerformulare" finden Sie die entsprechenden Vordrucke.

Was kommt steuerlich mit dem neuen Betrieb auf Sie zu?

Als Existenzgründer/-in sollten Sie die für Sie relevanten Steuerarten kennen:

 

Steuerart Wen betrifft dies? Was ist zu tun?
Einkommensteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag natürliche Personen ggf. vierteljährliche Vorauszahlung; Steuererklärung nach Ablauf des Kalenderjahres
Umsatzsteuer alle Unternehmer/-innen (Ausnahmen: ggf. bei ausschließlich umsatzsteuerfreien Umsätzen,  Kleinunternehmerregelung) monatliche Voranmeldung bei neugegründeten Unternehmen zwei Jahre lang; Steuererklärung nach Ablauf des Kalenderjahres
Gewerbesteuer alle Gewerbetreibenden aus Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleistungen  (nicht: freie Berufe und Landwirte) ggf. vierteljährliche Vorauszahlung; Steuererklärung nach Ablauf des Kalenderjahres
Lohnsteuer alle Arbeitgeber/-innen in Abhängigkeit von der Höhe der abzuführenden Lohnsteuer sind die Lohnsteueranmeldungen monatlich, vierteljährlich oder jährlich abzugeben
 

 

 Diese Anlaufstellen im Finanzamt sollten Sie kennen:

Anlaufstelle

Welche Vorgänge werden bearbeitet?

Neuaufnahmestelle/

Veranlagungsbezirk:

  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

  • Steuererklärungen

Umsatzsteuervoranmeldungsstelle:

  • Umsatzsteuer-Voranmeldungen
     

Lohnsteueranmeldungsstelle:

  • Lohnsteueranmeldungen

Lohnsteuerstelle-Arbeitgeber:

  • Arbeitgeber-Angelegenheiten

Erhebungsbezirk:

  • Zahlungsvorgänge
  • Erlass und Stundung von Steuerbeträgen

  • Einzug rückständiger Steuerbeträge

Rechtsbehelfstelle

  • Entscheidung über Einsprüche

Außenprüfungsstellen:

  • Betriebsprüfung

  • Umsatzsteuer-Sonderprüfung

  • Lohnsteuer-Außenprüfung

  • Prüfung u. a. von:

    • Buchführungsunterlagen

    • Belegen

    • Verträgen

Gewerbetreibende oder Selbstständige ermitteln ihren Gewinn selbst

Den Gewinn aus Gewerbebetrieb tragen Sie in der Anlage G, den Gewinn aus selbstständiger Tätigkeit in der Anlage S Ihrer Einkommensteuererklärung ein. Sie sind fortan verpflichtet, Ihre Einkommensteuererklärung jährlich nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz zu übermitteln. Hierfür haben Sie grundsätzlich bis zum 31. Mai des Folgejahres Zeit. Werden Sie von einem Angehörigen der steuerberatenden Berufe vertreten, verlängert sich die Abgabefrist automatisch bis zum 31. Dezember des Folgejahres.

Gewerbetreibende oder Selbstständige zahlen vierteljährliche Einkommensteuervorauszahlungen

Die festgesetzten Vorauszahlungsbeträge sind vierteljährlich jeweils zum

  • 10. März,
  • 10. Juni,
  • 10. September und
  • 10. Dezember

zu entrichten. Sie erhalten hierzu einen separaten Vorauszahlungsbescheid. Die Vorauszahlungen bemessen sich grundsätzlich nach der Einkommensteuer, die sich bei der letzten (Jahres)Festsetzung - also aus Ihrem letzten Einkommensteuerbescheid - ergeben hat.

Sie können jederzeit eine Änderung der Einkommensteuervorauszahlungen beantragen

Sollten sich im laufenden Kalenderjahr Änderungen gegenüber den Vorjahreswerten ergeben, können Sie jederzeit einen Antrag auf Anpassung Ihrer Vorauszahlungsbeträge stellen. Zuständig für die Bearbeitung Ihres Antrages ist die Sachbearbeiterin/der Sachbearbeiter im so genannten Veranlagungsbezirk.

Nach Abgabe Ihrer Einkommensteuererklärung werden im Einkommensteuerbescheid die bereits geleisteten Vorauszahlungen auf Ihre endgültige Steuerschuld angerechnet.

Nutzen Sie die elektronische Steuererklärung – ELSTER

 

 

Mit der elektronischen Steuererklärung – ELSTER – können Sie Ihre Steuererklärungen elektronisch an Ihr Finanzamt übermitteln. Ihre Steuererklärung können Sie mit jeder handelsüblichen Steuererklärungssoftware oder mit dem kostenlosen Programm der Finanzverwaltung „ElsterFormular“ erledigen.

Das Programm können Sie unter folgendem Link aus dem Internet herunterladen: www.elster.de.

Übermitteln können Sie:

  • Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuererklärungen, Anlage EÜR,
  • Lohn- und Umsatzsteuervoranmeldungen,
  • Lohnsteuerbescheinigungen, die Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (für Arbeitgeber) und die Zusammenfassende Meldung.

Ihre Vorteile:

  • Dateneingabe in die Steuerformulare am Bildschirm mit Eintragungs­hilfen,
  • Übernahme von Vorjahres- bzw. Vormonatsdaten,
  • Überprüfung der Eingaben auf formale Fehler,
  • Vermeidung von Übertragungsfehlern und Rückfragen durch das Finanzamt,
  • Berechnung der voraussichtlichen Steuer,
  • eine Bescheiddatenrückübermittlung, um evtl. Abweichungen von der Steuererklärung durch das Finanzamt einfach angezeigt zu bekommen,
  • gesicherte Übermittlung der Steuerdaten über das Internet,
  • papierlose Steuererklärung mit einer elektronischen Unterschrift (einmalige Registrierung auf www.elster.de nötig).

 

Ab einem Gewinn von 410 € sind Sie zur elektronischen Übermittlung Ihrer Steuererklärungen verpflichtet

Erzielen Sie einen Gewinn von mehr als 410 € im Jahr, sind Sie verpflichtet, Ihre Gewinnermittlung und auch Ihre Einkommensteuererklärung elektronisch an die Finanzverwaltung zu übermitteln. Hierfür steht Ihnen das ElsterPortal kostenlos zur Verfügung. Die von Ihnen zu übermittelnden Daten sind amtlich vorgeschrieben und über das ElsterPortal oder eine andere kommerzielle Software mit Elster-Schnittstelle schnell und einfach einzugeben.
 
Informationen hierzu sowie ausfüllbare und elektronisch übermittelbare Formulare sind unter der Internet-Adresse www.elster.de erhältlich.

Sie sind für die Gewinnermittlung selbst verantwortlich

Die von Ihnen zu zahlende Einkommensteuer ist von Ihrem Gewinn abhängig. Steuerrechtlich gibt es zwei Metho­den der Gewinnermittlung:

  • den Betriebsvermögensvergleich (§ 4 Abs. 1, 5 EStG) oder
  • die Einnahmenüberschussrechnung (§ 4 Abs. 3 EStG).

Beim Betriebsvermögensvergleich ermitteln Sie Ihren Gewinn wie folgt:

  Betriebsvermögen/Eigenkapital Ihres Betriebes am Ende des Wirtschaftsjahres
- Betriebsvermögen/Eigenkapital Ihres Betriebes am Ende des voran gegangenen Wirtschaftsjahres
+ Entnahmen für betriebsfremde Zwecke
- Einlagen aus dem Privatvermögen
= Gewinn

Im Rahmen der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ermitteln Sie Ihren Gewinn wie folgt:

  Betriebseinnahmen
Alle Vermögenszuflüsse in Geld oder Geldeswert, die Sie im Rahmen Ihrer betrieblichen Tätigkeit erhalten.
- Betriebsausgaben
Aufwendungen, die durch Ihren Betrieb veranlasst sind. Kosten Ihrer privaten Lebensführung können steuerlich nicht berücksichtigt werden.

=

Gewinn

Einnahmenüberschussrechnung

Bei der Einnahmenüberschussrechnung gilt das Zu- und Abflussprinzip. Sie erfassen Ihre Betriebseinnahmen grundsätzlich erst im Zeitpunkt der Vereinnahmung; Ihre Betriebsausgaben erfassen Sie erst in dem Zeitpunkt, in dem Sie sie zahlen. Diese Gewinnermittlungsart - auch § 4 Abs. 3 EStG - Rechnung genannt - kann insbesondere für alle freiberuflich Tätigen angewandt werden.

Beispiel:

Rechtsanwältin R aus Lippstadt schreibt im November 2015 ihrem Mandanten M eine Rechnung über 5.000 € zuzüglich 950 € Umsatzsteuer. M zahlt seine Rechnung Ende Januar 2016. Die Betriebseinnahme in Höhe von 5.950 € ist in der Gewinnermittlung des Kalenderjahres 2016 zu erfassen, da der Rechnungsbetrag in 2016 bezahlt wurde (Zufluss). Die Umsatzsteuer ist im Zeitpunkt des Zuflusses ebenfalls als Betriebseinnahme zu erfassen.

Anlage EÜR - amtliches Formular, wenn Ihre Betriebseinnahmen mehr als 17.500 € betragen

Betragen Ihre Betriebseinnahmen aus Ihrer gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit mehr als 17.500 € im Jahr, sind Sie verpflichtet, für Ihre Gewinnermittlung das amtliche Formular (Einnahmenüberschussrechnung – Anlage EÜR) zu nutzen. Die Anlage EÜR finden Sie im Formular-Management-System (FMS) der Bundesfinanzverwaltung. Das Formular rufen Sie ab, indem Sie oben rechts in der Suchleiste "EÜR" eingeben und schon werden Ihnen die Vordrucke angezeigt.
Betragen Ihre Betriebseinnahmen weniger als 17.500 € im Jahr, können Sie Ihrer Einkommensteuererklärung eine formlose Einnahmenüberschussrechnung beifügen. Sie dürfen aber auch den amtlichen Vordruck (Anlage EÜR) nutzen.

Betriebseinnahmen

Betriebseinnahmen sind alle Zugänge in Geld oder Geldeswert, die durch den Betrieb veranlasst sind.

Zu den (Privat-)Entnahmen zählen alle Wirtschaftsgüter (Waren, Erzeugnisse, Nutzungen und Leistungen), die Sie Ihrem Betrieb für Ihren privaten Haushalt oder für andere betriebsfremde Zwecke im Laufe des Kalenderjahrs entnehmen. Durch private Vorgänge darf Ihr Gewinn nicht gemindert werden. Die Korrektur erfolgt durch die Erfassung einer Betriebseinnahme in Ihrer Gewinnermittlung.
Weiterführende Informationen zur Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) sowie Musterformulare und Rechenbeispiele finden Sie in der Broschüre „Steuertipps für Existenzgründer und Existenzgründerinnen" ab Seite 13.

Betriebsausgaben

Betriebsausgaben sind alle Aufwendungen, die durch Ihren Betrieb veranlasst sind. Hierzu zählen zum Beispiel Aufwendungen für Wareneinkauf, Löhne, Pacht, Leasing, Werbung, Büromaterial usw.

Weitere Informationen zum Thema Gewinnermittlung, Beispiele für Betriebseinnahmen und -ausgaben sowie zu den Punkten Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten und Kassenführung finden Sie in unserer Broschüre „Steuertipps für Existenzgründerinnen und Existenzgründer“.

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