Steuertipps für Schüler/innen und Studierende

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Gespeichert von Abteilung V am 19. August 2015
Leben und studieren an der FHF Nordkirchen - zwei Studierende an der FHF

Steuertipps für Schüler/innen und Studierende

Viele Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten arbeiten in den Ferien oder auch neben der Schule oder dem Studium als Aushilfen und Teilzeitkräfte. Häufig sehen sie sich mit ihren ersten Einkünften auch erstmals mit steuerrechtlichen Problemen konfrontiert. Der folgende Artikel soll jungen Leuten, die ihr erstes eigenes Geld verdienen, helfen, wesentliche steuerliche Fragen zu klären und den Einstieg in das Arbeitsleben zu erleichtern.

Bin ich als Arbeitnehmer/in oder Unternehmer/in tätig?

Arbeiten Sie neben der Schule oder dem Studium stehen Sie in aller Regel in einem Arbeitsverhältnis, das heißt, für die Dauer Ihrer Tätigkeit sind Sie in einem Betrieb eingeordnet, weisungsgebunden und erzielen Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit (Arbeitslohn). In aller Regel überweist Ihnen Ihr Arbeitgeber Ihren Lohn auf Ihr Konto.
 
Von Ihrem Arbeitslohn behält Ihr Arbeitgeber Lohnsteuer, den Solidaritätszuschlag, gegebenenfalls Kirchensteuer und – soweit Sozialversicherungspflicht besteht – Sozialversicherungsbeiträge (Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) ein und führt diese für Sie an das Finanzamt und die jeweiligen Sozialversicherungsträger ab.
 
In letzter Zeit verstärkt sich der Trend, dass Schülerinnen/Schülern und Studierenden Arbeiten und Aufträge im Rahmen einer selbstständigen oder gewerblichen Tätigkeit angeboten werden.

Prüfen Sie vor Tätigkeitsbeginn, ob Sie Arbeitnehmer/in oder Unternehmer/in sind!

Entscheidend für eine Abgrenzung sind die Vertragsgestaltung und das Gesamtbild Ihrer tatsächlich ausgeübten Tätigkeit. Für eine selbstständige oder gewerbliche Tätigkeit spricht, wenn Sie bei Gestaltung und Erledigung der Arbeiten oder des Auftrags weitgehend freie Hand haben. Sie schulden den Arbeitserfolg und nicht Ihre Arbeitskraft. Das Unternehmerrisiko liegt bei Ihnen.
 
Üben Sie Ihre Tätigkeit gewerblich oder selbstständig aus, wird keine Lohnsteuer einbehalten. Ihre Einnahmen sind in diesem Fall in der Regel einkommensteuerpflichtig und unter Umständen sogar umsatzsteuerpflichtig. Mit der Erzielung gewerblicher oder selbstständiger Einkünfte sind Sie verpflichtet, nach Ablauf des Kalenderjahres, bei Ihrem Finanzamt eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Betragen Ihre Einkünfte aus gewerblicher/selbstständiger Arbeit mehr als 410 €, müssen Sie Ihre Steuererklärung elektronisch übermitteln.
Umsatzsteuer fällt grundsätzlich nicht an, wenn Ihre Umsätze (Einnahmen) im Vorjahr den Betrag von 17.500 € nicht überstiegen haben und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 € nicht übersteigen werden (sogenannte Kleinunternehmerregelung).  Als Kleinunternehmer/in dürfen Sie keine Umsatzsteuer auf Ihren Rechnungen ausweisen.

Geringfügige Beschäftigung (Mini-Jobs)

Eine geringfügige Beschäftigung liegt vor, wenn Ihr Arbeitslohn regelmäßig nicht mehr als 450 € im Monat beträgt. Sie erhalten den vereinbarten Lohn, Ihr Arbeitgeber/Ihre Arbeitgeberin übernimmt in der Regel pauschalisierte Abgaben an die Minijob-Zentrale.  
Mehr Informationen zum Thema "Mini-Jobs" erhalten Sie in unserem Artikel: "Lohnsteuertipps für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler"

Keine Angabe in Ihrer Einkommensteuererklärung

Weder die Pauschalsteuer noch das Arbeitsentgelt aus der geringfügigen Beschäftigung sind im Rahmen Ihrer Einkommensteuerveranlagung zu erfassen.

Mehrere 450 €-Jobs werden zusammengerechnet

Üben Sie mehrere geringfügige Beschäftigungen nebeneinander aus, sind diese für die Beurteilung, ob die Geringfügigkeitsgrenze von 450 € überschritten ist, zusammenzurechnen.
 
Bei Überschreiten der 450-€- Grenze entfallen die Pauschalabgaben und es besteht Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung.

Mein Arbeitgeber behält Lohnsteuer von meinem Arbeitslohn ein

Sind Sie als Arbeitnehmer/in bei Ihrem Arbeitgeber tätig, behält er von Ihrem Arbeitslohn Lohnsteuer ein und führt sie in Ihrem Namen an die Finanzverwaltung ab. Dazu ist es erforderlich, dass Ihr Arbeitgeber Ihre ELStAM (Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) abrufen kann. Der Lohnsteuerabzug richtet sich nach Ihrer Steuerklasse.

  • Ledige Arbeitnehmer erhalten grundsätzlich die Steuerklasse eins.
  • Verheiratete Arbeitnehmer können die Steuerklassenkombinationen „drei“/„fünf“, „vier“/„vier“ oder das „Faktorverfahren“ wählen. Gleiches gilt für eingetragene Lebenspartnerschaften.
  • Die Steuerklasse „sechs“ ist bei Arbeitnehmern anzuwenden, die nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen.

Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, die im elektronischen Verfahren die bei der Finanzverwaltung gespeicherten ELStAM Ihrer Lohnabrechnung zugrunde zu legen.

Sie erhalten eine Lohnsteuerbescheinigung

Am Ende des Kalenderjahres oder nach Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses bescheinigt Ihr Arbeitgeber unter anderem die Höhe Ihres Arbeitslohns sowie die einbehaltenen Steuerabzugsbeträge (Lohn- und Kirchensteuer sowie den Solidaritätszuschlag) anhand einer Lohnsteuerbescheinigung. Die Lohnsteuerbescheinigung übermittelt Ihr Arbeitgeber auf elektronischem Weg an die Finanzverwaltung. Sie erhalten einen entsprechenden Ausdruck in Papierform.

Das Finanzamt erstattet zu viel gezahlte Lohnsteuer

Zu viel einbehaltene Lohnsteuer kann Ihnen im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung vom Finanzamt erstattet werden. Das funktioniert aber nur, wenn Sie eine Einkommensteuererklärung einreichen. Vordrucke und ein Anleitungsheft zum Ausfüllen einer Einkommensteuererklärung sind bei jedem Finanzamt kostenlos erhältlich. Sie finden die Vordrucke aber auch in elektronischer Form auf dem Formularserver.

Nutzen Sie die elektronische Steuererklärung

Als Besitzerin oder Besitzer eines Computers mit Internetzugang sollten Sie Ihre Einkommensteuererklärung elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Um Ihre Steuererklärung elektronisch abzugeben, benötigen Sie ein Software-Produkt mit dem speziellen ELSTER-Modul. Auf dem Markt gibt es zahlreiche kostenlose Programme und kommerzielle Software. Eine Übersicht finden Sie hier.

Arbeitslohn und Werbungskosten

Im Rahmen Ihrer Einkommensteuerveranlagung können Sie Ihren Einnahmen auch Ihre Aufwendungen gegenüberstellen. Zum Beispiel Aufwendungen für Wege zwischen Ihrer Wohnung und Ihrer ersten Tätigkeitsstätte.

Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 € wird automatisch berücksichtigt

Ihr Finanzamt berücksichtigt von sich aus für Ihre Werbungskosten einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 € jährlich. Dabei ist es gleichgültig, ob Ihnen Aufwendungen in dieser Höhe entstanden sind oder nicht. Liegen Ihre tatsächlichen Werbungskosten unter 1.000 € jährlich, können Sie deshalb darauf verzichten, Ihre Aufwendungen anzugeben. Liegen Ihre Ausgaben über dem Pauschbetrag von 1.000 € jährlich, können Sie sie in tatsächlicher Höhe geltend machen. Dazu müssen Sie jedoch sämtliche Aufwendungen im Einzelnen angeben und auf Anfrage belegen können.

Wann besteht für mich Sozialversicherungspflicht?

Beschäftigungen, die nicht länger als zwei Monate oder 50 Arbeitstage im Jahr ausgeübt werden, sind unabhängig von der Höhe des Verdienstes sozialversicherungsfrei, solange diese Tätigkeit nicht berufsmäßig ausgeübt wird, sie also nicht die Grundlage des Lebensunterhalts bildet, sondern lediglich zur Aufbesserung des Einkommens dient.

Darüber hinaus sind Sie als Studierende in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei, wenn Sie während ihres Studiums gegen Lohn beschäftigt sind und Ihrem Erscheinungsbild nach Studierende bleiben. In der Regel wird dies angenommen, wenn Sie wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden neben Ihrem Studium jobben. In einer solchen Beschäftigung unterliegen Sie jedoch der Rentenversicherungspflicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie die Beschäftigung neben dem Studium oder in der vorlesungsfreien Zeit ausüben.

Übungsleiterpauschale

Steuerfrei und sozialversicherungsfrei sind Einnahmen, die unter die sogenannte Übungsleiterpauschale fallen.
Die Übungsleiterpauschale gilt für nebenberufliche Tätigkeiten als Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbare Tätigkeiten, für nebenberufliche künstlerische Tätigkeiten oder die nebenberufliche Alten-, Kranken- und Behindertenpflege. Sie gilt für Einnahmen bis 2.400 pro Kalenderjahr. Auch wer keinen Hauptberuf im steuerlichen Sinne ausübt, kann nebenberuflich tätig sein, etwa Studierende.

Voraussetzung dafür ist, dass Sie die Tätigkeit zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger oder kirchlicher Zwecke im Dienste einer inländischen juristischen Körperschaft des öffentlichen Rechts oder einer begünstigten Einrichtung ausüben. Begünstigte Einrichtungen sind außerdem unter anderem gemeinnützige Sport- und Musikvereine, Rettungsdienstorganisationen und Volkshochschulen.

Mehr Informationen zum Thema

Weitere Informationen zum Thema - kompakt und übersichtlich zusammengestellt - gibts in unserer Broschüre "Steuertipps für Schülerinnen, Schüler und Studierende" und in unserer Broschüre "Steuertipps für alle Steuerzahlenden" - dort ab der Seite 29.
 

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