Umsatzsteuer-Voranmeldungen und die Umsatzsteuerjahreserklärung

Bild des Benutzers Abteilung V
Gespeichert von Abteilung V am 1. Juni 2016
Vordruck Umsatzsteuererklärung

Umsatzsteuer-Voranmeldungen und die Umsatzsteuerjahreserklärung

Umsatzsteuer-Voranmeldungen zu Beginn der Tätigkeit

Haben Sie Ihr Unternehmen neu gegründet und sind Sie kein Kleinunternehmer? Dann sind Sie verpflichtet, Ihre Umsätze und Vorsteuerbeträge monatlich in Form einer Umsatzsteuer-Voranmeldung an Ihr Finanzamt authentifiziert elektronisch zu übermitteln. Diese Verpflichtung gilt vorerst im Jahr der Aufnahme Ihrer Tätigkeit und für das Folgejahr. Zudem sind Sie verpflichtet am Ende des Jahres eine sogenannte Umsatzsteuer-Jahreserklärung abzugeben. 

Beispiel

Sie beginnen mit Ihrer unternehmerischen Tätigkeit am 8. August 2015. Somit Sie verpflichtet, erstmalig für den Monat August 2015 bis Dezember 2016 Ihre monatlichen Umsätze an die Finanzverwaltung elektronisch zu übermitteln. Darüber hinaus übermitteln Sie jeweils am Ende des Jahres eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung. 
Ab dem Jahr 2017 entscheidet die Höhe Ihrer Umsatzsteuerjahresschuld, ob Sie Ihre Voranmeldungen künftig monatlich, vierteljährlich oder nur eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung übermitteln müssen (die maßgeblichen Umsatzgrenzen entnehmen Sie bitte den Ausführungen zum Punkt "Bis wann muss ich die Umsatzsteuer-Voranmeldungen an das Finanzamt übermitteln?").

Durch die Umsatzsteuer-Voranmeldungen leisten Sie als Unternehmer/-in Vorauszahlungen auf Ihre Jahresumsatzsteuer. Sie haben jeweils bis zum zehnten Tag nach Ablauf jedes Voranmeldungszeitraums Zeit, Ihre Umsatzsteuer-Voranmeldung an Ihr Finanzamt authentifiziert zu übermitteln.

Hierzu haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Sie nutzen die kostenlose Software der Finanzverwaltung namens ELSTER oder 
  2. Sie nutzen ein kommerzielles Steuerberechnungsprogramm, das diese Aufgabe für Sie erledigt.

 

In welcher Umsatzsteuer-Voranmeldung muss ich den Umsatz jeweils angeben? Wann ensteht die Steuer?

Die Umsatzsteuer melden Sie für den Voranmeldungszeitraum an, in dem sie entstanden ist.
 
Für Lieferungen und sonstige Leistungen wird die Umsatzsteuer grundsätzlich nach vereinbarten Entgelten berechnet, der sogenannten Sollbesteuerung.
Danach entsteht die Umsatzsteuer bereits in dem Moment, in dem die steuerpflichtige Leistung ausgeführt wurde (d. h.: bei Warenübergabe bzw. bei erbrachter Dienstleistung). Der Umsatz ist dann bereits für diesen Voranmeldungszeitraum anzugeben. Bei der Sollbesteuerung spielt es keine Rolle, ob Sie bereits eine Rechnung erteilt haben oder ob Ihr Kunde gezahlt hat oder nicht.

Beispiel

Karla Künstler ist als Schriftstellerin in Krefeld freiberuflich tätig. Für einen im Juli 2015 gefertigten Aufsatz erhält sie im Oktober 2015 das Honorar.
Der Aufsatz wurde im Juli 2015 fertiggestellt, somit muss Karla Künstler den Umsatz in ihrer Umsatzsteuer-Voranmeldung Juli angeben und bis zum 10. August 2015 elektronisch an das Finanzamt übermitteln.

Auf Antrag kann unter bestimmten Voraussetzungen die Umsatzsteuer für Lieferungen und sonstige Leistungen nach vereinnahmten Entgelten berechnet werden, die sogenannte Istbesteuerung. In diesem Fall entsteht die Umsatzsteuer mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem das Entgelt vereinnahmt worden ist.
Eine Besteuerung nach vereinnahmten Entgelten kommt nur in folgenden Fällen in Betracht:

  • Ihr Gesamtumsatz hat im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 500.000 € betragen (im Jahr der Betriebseröffnung ist auf den auf das Kalenderjahr hochgerechneten Gesamtumsatz abzustellen), oder
  • Ihr Unternehmen ist nach § 148 Abgabenordnung von der Verpflichtung, Bücher zu führen und aufgrund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen, befreit worden, oder
  • Sie sind mit Ihrer unternehmerischen Tätigkeit Angehöriger eines freien Berufs.

Da die Sollbesteuerung (Besteuerung nach vereinbarten Entgelten) der Regelfall ist, wird auf die Istbesteuerung im weiteren Verlauf nicht mehr eingegangen.

So erfassen Sie Anzahlungen

Erhaltene Anzahlungen sind von Ihnen für den Voranmeldungszeitraum anzumelden, in dem Sie diese erhalten haben.

Bis wann muss ich die Umsatzsteuer-Voranmeldungen an das Finanzamt übermitteln?
  • Monatliche Voranmeldungen sind bis zum 10. des Folgemonats abzugeben (z. B. für den Voranmeldungszeitraum Mai bis zum 10. Juni).
  • Vierteljährliche Voranmeldungen sind bis zum 10. Tag nach Ablauf des Kalendervierteljahres abzugeben (jeweils 10. April, 10. Juli, 10. Oktober, 10. Januar).

Besonderheit, wenn Sie regelmäßig Erstattungsbeträge erwarten

Damit Ihnen Ihr Umsatzsteuer-Guthaben möglichst schnell ausgezahlt werden kann, können Sie anstelle des Kalendervierteljahres den Kalendermonat als Voranmeldungszeitraum wählen. Voraussetzung ist, dass sich für das vorangegangene Kalenderjahr ein Überschuss zu Ihren Gunsten (= Erstattungsbetrag) von mehr als 7.500 € ergeben hat.

In diesem Fall müssen Sie bis zum 10. Februar des laufenden Kalenderjahres eine Voranmeldung für den ersten Kalendermonat auf elektronischem Weg authentifiziert an Ihr Finanzamt übermitteln. Der von Ihnen gewählte monatliche Voranmeldungszeitraum ist für das laufende Kalenderjahr bindend. 

Zusammenfassung

Sachverhalt 

Voranmeldezeitraum

Existenzgründer im laufenden und folgenden Kalenderjahr

Kalendermonat

Beträgt die Steuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 7.500 €

Kalendermonat

Beträgt die Steuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 1.000 € aber nicht mehr als 7.500 €

Kalendervierteljahr

Beträgt die Steuer für das vorangegangene Kalenderjahr nicht mehr als 1.000 €, kann Ihr Finanzamt Sie von der Verpflichtung zur Abgabe der Voranmeldungen und Entrichtung der Vorauszahlungen befreien. 

Jahressteuererklärung

Dauerfristverlängerung

Auf Ihren Antrag verlängert Ihr Finanzamt die Fristen für die Abgabe Ihrer Voranmeldungen und für die Entrichtung der Vorauszahlungen um einen Monat, dies ist die sogenannte Dauerfristverlängerung.

Den Vordruck für die Dauerfristverlängerung finden Sie in ElsterFormular. Hier gehts zum Download des Programms.

Die Fristverlängerung gewährt Ihnen das Finanzamt, wenn Sie Ihre Voranmeldungen monatlich auf elektronischem Weg authentifiziert übermitteln und eine Sondervorauszahlung auf die Steuer eines jeden Kalenderjahres entrichten.

Die Sondervorauszahlung beträgt 1/11 der Summe der Vorauszahlungen für das vorangegangene Kalenderjahr und wird später auf die für das jeweilige Jahr zu zahlende Umsatzsteuer angerechnet. Nehmen Sie Ihre gewerbliche oder berufliche Tätigkeit im laufenden Kalenderjahr auf, beträgt die Sondervorauszahlung 1/11 der Summe der zu erwartenden Vorauszahlungen für dieses Kalenderjahr.

Beispiel

Für das Jahr 2015 haben Sie insgesamt 15.000 € Umsatzsteuer an den Fiskus im Rahmen Ihrer Umsatzsteuer-Voranmeldungen angemeldet. Möchten Sie z. B. ab April 2016 von der Dauerfristverlängerung Gebrauch machen, zahlen Sie 1/11 dieser Summe an die Finanzverwaltung. Dies sind 15.000 € / 11 = 1.363 €.
Im Rahmen Ihrer Umsatzsteuer-Jahreserklärung 2016 werden die 1.363 € auf Ihre Umsatzsteuerzahlungen angerechnet.

Umsatzsteuer-Jahreserklärung - ohne geht es nicht

Mit der Übermittlung Ihrer Umsatzsteuer-Voranmeldungen ist es noch nicht getan. Sie sind verpflichtet, zusätzlich zu den monatlichen oder vierteljährlichen Umsatzsteuer-Voranmeldungen, eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung elektronisch an Ihr Finanzamt zu übermitteln. Dabei fassen Sie die einzelnen Voranmeldungen zu einer Jahresmeldung zusammen.

Im Rahmen Ihrer Steuererklärung berechnen Sie die an das Finanzamt zu entrichtende Steuer selbst bzw. ermitteln den Überschuss, der sich zu Ihren Gunsten ergibt. Die sich aus Ihren Voranmeldungen ergebenden Beträge werden auf Ihre Jahressteuerschuld angerechnet.

Der Besteuerungszeitraum für die Umsatzsteuer ist das Kalenderjahr. Als Unternehmer haben Sie für das Kalenderjahr grundsätzlich bis zum 31. Mai des Folgejahres Zeit, Ihre Umsatzsteuerklärung auf elektronischem Weg authentifiziert an Ihr Finanzamt zu übermitteln. Sofern Sie Ihre Umsatzsteuererklärung durch Angehörige der steuerberatenden Berufe erstellen lassen, verlängert sich die Abgabefrist automatisch bis zum 31. Dezember des Folgejahres. Im Rahmen Ihrer Steuererklärung berechnen Sie die an das Finanzamt zu entrichtende Steuer selbst bzw. ermitteln den Überschuss, der sich zu Ihren Gunsten ergibt. Die sich aus Ihren Voranmeldungen ergebenden Beträge werden auf Ihre Jahressteuerschuld angerechnet. 

Abgabe auf Papier nur in Ausnahmefällen

Eine Abgabe Ihrer Voranmeldungen und Ihrer Jahreserklärung auf Papier ist nur noch auf Antrag möglich, wenn die elektronische Abgabe nicht zumutbar ist (zum Beispiel weil Sie keinen Computer oder Internetzugang besitzen und deren Anschaffung nicht zumutbar ist).

Bis wann muss ich meine Umsatzsteuer-Schuld bezahlen?

Nachzahlungen aus Umsatzsteuer-Voranmeldungen

Ihre Vorauszahlung (= zu zahlender Betrag aus der Voranmeldung) ist am zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums ohne weitere Zahlungsaufforderung sofort fällig. Einen Bescheid erhalten Sie grundsätzlich nicht, da Sie die zu zahlenden Beträge selbst berechnen. Um keine Zahlung zu versäumen, bietet sich das Lastschrifteinzugsverfahren an.

Nur in den Fällen, in denen Ihr Finanzamt von Ihren Berechnungen abweicht, erhalten Sie einen gesonderten Steuerbescheid. Die Fälligkeit eines etwaigen Nachzahlungsbetrages entnehmen Sie bitte der Zahlungsaufforderung im Steuerbescheid. 

Abschlusszahlung aus der Jahreserklärung

Ermitteln Sie die zu entrichtende Steuer oder den Überschuss in der Jahreserklärung abweichend von der Summe Ihrer Voranmeldungen, so ist der Unterschiedsbetrag zu Gunsten des Finanzamts (Abschlusszahlung) ohne weitere Zahlungsaufforderung einen Monat nach dem Eingang der Erklärung fällig. Sofern Sie am Lastschrifteinzugsverfahren teilnehmen, wird Ihre Abschlusszahlung pünktlich zum Fälligkeitszeitpunkt von Ihrem Konto eingezogen.

Setzt das Finanzamt die zu entrichtende Steuer oder den Überschuss abweichend von Ihrer Steueranmeldung für das Kalenderjahr fest, so ist der Unterschiedsbetrag zu Gunsten des Finanzamts einen Monat nach der Bekanntgabe des Steuerbescheids fällig (beachten Sie bitte die Zahlungsaufforderung im Bescheid).

Beispiel

Franz Berger betreibt in Lippstadt ein Taxi-Unternehmen. Er führt sowohl Umsätze aus, die dem ermäßigten Steuersatz von 7 % (Stadtfahrten) als auch dem Regelsteuersatz von 19 % unterliegen. Dem Regelsteuersatz unterliegt ein Umsatz von 80.000 €, dem ermäßigten Steuersatz 270.000 €. An Vorsteuern hat er insgesamt 33.000 € gezahlt.

Vereinfacht ergibt sich folgendes Berechnungsschema:

Vorgang  Bemessungsgrundlage   Steuer 
Steuerbare Umsätze                                   80.000 €  
–  steuerfreie Umsätze    
=  steuerpflichtige Umsätze                                   80.000 €  
Steuer auf steuerpflichtige Umsätze zu 19 %   15.200 €
 steuerpflichtige Umsätze zu 7 %                                 270.000 €  
+  Steuer auf steuerpflichtige Umsätze zu 7 %   18.900 €
Umsatzsteuer   34.100 €
–  Vorsteuer   -33.000 €
=  verbleibende Steuerschuld     1.100 €

  Die verbleibende Steuerschuld ist sofort fällig.

Wann bekomme ich einen Umsatzsteuerbescheid vom Finanzamt?

Da Sie die Steuer selbst berechnen, erhalten Sie nach der Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung bzw. der Umsatzsteuerjahreserklärung grundsätzlich keinen gesonderten Steuerbescheid vom Finanzamt. Einen Bescheid erhalten Sie nur, sofern das Finanzamt von Ihren Angaben in den Steuererklärungen abweicht.

Weitere

Pressemitteilungen

Weitere

Informationen

Kontakt

KEINE ERGEBNISSE

Verwandte

Inhalte

Verwandte

Themen

Information

Downloads

KEINE ERGEBNISSE

Links

Zum Thema

Information

Karte