FINANZVERWALTUNG des Landes Nordrhein-Westfalen
16.12.2025

Kampf gegen Gewerbesteueroasen: LBF NRW durchsucht mutmaßliche Briefkastenfirma

Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität intensiviert die Aufdeckung von Steuerbetrug mit Scheinfirmensitzen. Verdächtiger hat seinen Betrieb in Monheim angemeldet, arbeitet vermutlich aber aus einem anderen Bundesland.

Ermittlerinnen und Ermittler des Landesamtes zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) haben in dieser Woche eine mutmaßliche Briefkastenfirma in Monheim durchsucht. Der Beschuldigte soll seinen Betrieb, den er als Einzelunternehmer führt, zwar dort angemeldet haben – tatsächlich ist er wohl aber von seiner Wohnanschrift in einem anderen Bundesland tätig. Mit dieser Masche versuchte der Mann dem Verdacht nach, Gewerbesteuer zu hinterziehen. Denn: In Monheim gilt ein mehr als 100 Prozentpunkte günstigerer Gewerbesteuersatz als in der Heimatstadt des Beschuldigten.  

Die Aufdeckung von Steuerbetrug in Gewerbesteueroasen ist ein Schwerpunkt der Ermittlungsarbeit im LBF NRW, insbesondere in der Regionalabteilung „Rheinland-West“ mit Sitzen in Aachen und Düsseldorf. „Seinen Geschäftssitz gezielt in eine Gemeinde mit niedrigem Gewerbesteuersatz zu legen, ist für Firmeninhaber völlig legitim – aber nur, wenn dort dann auch tatsächlich gearbeitet wird“, erklärt Stephanie Thien, Leiterin des LBF NRW. „Unsere Aufgabe ist es, zu überwachen, dass der Steuerwettbewerb zwischen den Kommunen nicht zu einer Steuerungerechtigkeit führt. Wenn der angebliche Firmensitz nur aus einem einsamen Briefkasten besteht, ist das kein cleveres Steuersparmodell, sondern kriminell.“ 

Die Durchsuchung hat den Verdacht im aktuellen Fall erhärtet: An der offiziellen Firmenadresse sind zahlreiche Unternehmen gemeldet, ein richtiges Büro konnte dort allerdings nicht ermittelt werden. Andererseits steht auf dem Privatgelände des Inhabers in seiner Heimatgemeinde eine Werkshalle, die wohl für Geschäftszwecke genutzt wird. Besonders dreist: Auf seiner Internetseite hat der Mann ausschließlich den dortigen Telefonanschluss als Erreichbarkeit angegeben – keinen in NordrheinWestfalen. Er zeigte sich während der Maßnahme geständig. 

Die bei der Durchsuchung sichergestellten Beweise werden jetzt im LBF NRW ausgewertet. Die Höhe des möglichen Steuerschadens ist derzeit noch nicht absehbar. „Wir stellen immer wieder fest, dass sich die Täter bei Gewerbesteuerhinterziehung in großer Sicherheit wiegen und ihr Treiben als reines Kavaliersdelikt sehen. Beides ist falsch!“, sagt Thien. „Unsere Fahnderinnen und Fahnder haben genau im Blick, wer wo tatsächlich arbeitet und wer das nur vortäuscht. Der Kampf gegen missbräuchliche Firmenanmeldungen in Gewerbesteueroasen wird ein Schwerpunkt unserer Ermittlungsarbeit bleiben.“

Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität bündelt seit 2025 die gesamte nordrhein-westfälische Steuerfahndung mit rund 1200 Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der Bekämpfung von Steuerbetrug, Geldwäsche und Cybercrime. Es ist die erste Landesbehörde dieser Art in der Bundesrepublik.