Schützens Wert
Wer erlebt, wie ein Schützenfest eine Gemeinde, Stadt oder ganze Region zusammenbringt, der spürt, dass es um mehr geht als um Brauchtum. Hier wird gelebt, was uns als Gesellschaft zusammenhält: Miteinander, Tradition, Verlässlichkeit, soziale Verantwortung. Das Ganze auf der Grundlage unseres christlichen Menschenbildes.
Das Besondere ist, dass es ohne Druck, ohne viel Aufhebens geschieht. Das einzig Laute im Schützenwesen ist die Musik. Die Werte, um die es wirklich geht, kommen leise und mühelos daher. Zusammenhalt wird ganz selbstverständlich gelebt. Über Generationen hinweg, über soziale Grenzen, das ganze Jahr. Als langjähriges Mitglied einer Bruderschaft kenne ich die Menschen, das Miteinander und den Geist, der dieses Brauchtum prägt. Es sind nicht nur die Feste und Traditionen, die das Schützenwesen ausmachen – es ist das Verlässliche, das Vertraute, das Verbindende. All das hat mich persönlich geprägt und bewegt mich heute mehr denn je. Denn in unruhigen Zeiten wie unseren, in denen wieder Krieg in Europa herrscht, unsere Demokratie unter Druck gerät und unsere Wirtschaft eine historische Rezession erlebt, geben Werte, Halt und Orientierung.
Eckpfeiler des Schützenbrauchtums ist das Ehrenamt. Ob im Vorstand, beim Thekendienst oder in der Jugendarbeit: Menschen investieren Zeit und Herzblut, organisieren Veranstaltungen, halten Traditionen lebendig und schaffen Räume des Austauschs. Wer sich so einbringt, der lebt Verantwortung für das Ganze und stärkt das, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält. Und genau deshalb verdient dieses Engagement mehr als Worte des Dankes. Es braucht konkrete Unterstützung.
Nordrhein-Westfalen ist das Land des Ehrenamts. Rund sechs Millionen Menschen engagieren sich hier freiwillig. Als Landesregierung wissen wir, dass Ehrenamt nicht nur eine Frage der Haltung ist, sondern auch der Rahmenbedingungen. Wer sich engagiert, sollte nicht an unnötiger Bürokratie scheitern. Deshalb haben wir in Nordrhein-Westfalen klare Schritte unternommen, um ehrenamtlich Engagierten das Leben zu erleichtern – auch und gerade in den Bruderschaften und Schützenvereinen.
Ein Beispiel: Seit Anfang 2024 gibt es in jedem Finanzamt eine feste Ansprechperson für gemeinnützige Vereine. Diese Ansprechpersonen helfen persönlich und unkompliziert weiter, wenn es um steuerliche Fragen geht. Denn nicht jede Kassenwartin ist ein Steuerprofi. Aber in unseren Finanzämtern sitzen Menschen, die mit Fachwissen und Einsatzbereitschaft unterstützen. Häufig sind sie in ihrer Freizeit selbst Ehrenamtler.
Steuerrechtlich haben wir wichtige Verbesserungen erreicht, wie den Übungsleiterfreibetrag oder die Ehrenamtspauschale. Und wir bleiben dran: Im vergangenen Jahr haben wir über den Bundesrat einen Antrag für ein Ehrenamt-Update eingebracht, um weitere Entlastungen zu erreichen – etwa die Abzugsfähigkeit von Mitgliedsbeiträgen, höhere Sonderausgaben für Engagierte und größere Freibeträge für Vereine. Unser Ziel ist es, mehr Menschen zu ehrenamtlichem Einsatz zu ermutigen.
Selbstverständlich auch in den Schützenvereinen in unserem Land. In einer Welt der inszenierten Vereinzelung ist die Erkenntnis wichtig, dass das Gelingen von Gemeinschaft schon für sich gesehen ein Wert ist. Vertrauen, Verbundenheit und Fürsorge sind zeitlos modern. Vielleicht können wir Schützen nicht mit der schöngefilterten Welt des Pilates am Palmenstrand, Haitauchens am Riff und Abseilen im Canyon mithalten. Aber wir erfahren Halt und Haltung, Identität und kollektives Interesse, Miteinander und Menschlichkeit. Wir besinnen uns zugleich auf unsere Wurzeln und Geschichte. Das ist mehr als „nice to have“, es ist für uns als Gesellschaft unverzichtbar. Und Spaß haben wir dabei ja schließlich auch noch jede Menge!
Ich bin überzeugt: Wer das Ehrenamt stärkt, stärkt auch den Zusammenhalt unseres Landes. Und wer das Schützenwesen würdigt, würdigt eine tragende Säule unseres gesellschaftlichen Lebens. Die Landespolitik steht an der Seite all jener, die ihre Heimat mitgestalten. Sie sind das Rückgrat unseres Landes – und wir stärken ihnen den Rücken.