Ihre Photovoltaikanlage und das Finanzamt

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Gespeichert von Abteilung V am 8. September 2015
Photovoltaikanlage auf einem Dach

Ihre Photovoltaikanlage und das Finanzamt

Mit der Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem Dach Ihres privaten Hauses werden Sie Unternehmerin bzw. Unternehmer, sofern Sie den von Ihnen erzeugten Strom in das öffentliche Netz einspeisen und verkaufen. Auf Sie kommen neue Pflichten zu: Sie ermitteln den Gewinn für Ihr Unternehmen "Photovoltaikanlage" regelmäßig mit einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) selbst. Darüber hinaus werden Sie ggfs. Umsatzsteuer-Voranmeldungen und eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung an die Finanzverwaltung elektronisch übermitteln. Mit den nachfolgenden Ausführungen wollen wir Ihnen einen Einblick in die Thematik geben und Ihnen helfen, bei der steuerlichen Behandlung Ihres Unternehmens "Photovoltaikanlage" alles richtig zu machen.

Verkaufen Sie den Strom oder nutzen Sie ihn selbst?

Sie nutzen Ihre Photovoltaikanlage ausschließlich privat

Installieren Sie Ihre Photovoltaikanlage z. B. auf dem Dach Ihres Hauses, um den Strom ausschließlich selbst zu nutzen und verkaufen ihn nicht an einen Energieversorger, können Sie sich jetzt entspannt zurück lehnen. Ihre Photovoltaikanlage gehört zu Ihrem Privatvermögen und es ergeben sich für Sie keinerlei steuerrechtliche Konsequenzen. Das bedeutet aber auch, dass Sie die von Ihnen gezahlte Umsatzsteuer für den Kauf der Anlage, nicht als Vorsteuer bei Ihrem Finanzamt geltend machen können.

Sie wollen mit Ihrer Photovoltaikanlage Einnahmen erzielen

Sie haben Ihre Photovoltaikanlage mit der Absicht errichtet, den von Ihnen erzeugten Strom an Ihren Energieversorger zu veräußern und Einnahmen aus der Stromerzeugung zu erzielen? In diesem Fall sind Sie Unternehmer/-in. Für diesen Fall sollen Ihnen die nachfolgenden Ausführungen eine erste Hilfestellung geben.

Sie erzielen gemeinschaftliche Einnahmen mit Ihrer Photovoltaikanlage?

Photovoltaikanlage auf dem Dach

Wenn Sie zusammen mit anderen Personen (z. B. Ehegatte, Geschwister, Eltern, Freunde, Bekannte) eine Photovoltaikanlage anschaffen und betreiben, entsteht zivilrechtlich eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Da Sie Ihre Photovoltaikanlage unternehmerisch betreiben, erhalten Sie für diese GbR zusätzlich zu Ihrer bestehenden Steuernummer eine neue. Für diese gemeinschaftlichen Einkünfte ist in der Regel eine gesonderte und einheitliche Feststellungserklärung einzureichen. Den entsprechenden Vordruck finden Sie auf www.elster.de

Für den Schriftverkehr mit Ihrem Finanzamt und für alle Steuererklärungen im Zusammenhang mit der Photovoltaikanlage nutzen Sie die neue Steuernummer. Ihre bisherige Steuernummer nutzen Sie für alle Angaben rund um Ihre persönliche Einkommensteuerklärung.

Diese Regelungen gelten für die Einkommensteuer

Als Betreiber/-in einer Photovoltaikanlage sind Sie Unternehmer/-in. Für Sie besteht ab dem Jahr der Inbetriebnahme die Verpflichtung, Ihre Steuererklärung bis zum 31. Mai des Folgejahres an Ihr Finanzamt zu übermitteln. Sofern ein Angehöriger eines steuerberatenden Berufs für Sie die Steuererklärung erstellt, verlängert sich die Frist automatisch bis zum 31. Dezember des Folgejahres. 

Sofern Sie z. B. bisher lediglich Einkünfte aus Ihrer Tätigkeit als Arbeitnehmer/-in erzielt haben, fügen Sie Ihrer Einkommensteuererklärung zukünftig noch die Anlage G bei. Daneben ist regelmäßig eine Anlage EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) an das Finanzamt zu übermitteln. Beide Anlagen müssen elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden.
Für die elektronische authentifizierte Übermittlung benötigen Sie ein Zertifikat. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.elster.de.
 

Diese Regelungen gelten für die Umsatzsteuer

Die Umsätze, die Unternehmer/-innen erzielen, sind grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Hiervon gibt es Ausnahmen: Dazu gehört die Kleinunternehmerregelung.

Wann sind Sie Kleinunternehmer/-in?

Kleinunternehmer/-in sind Sie immer dann, wenn Ihre Umsätze im laufenden Jahr nicht mehr als 50.000 € und im Vorjahr nicht mehr als 17.500 € betragen haben. Als Photovoltaik-Anlagenbetreiber/-in werden Sie vielfach in diesem Grenzbereich liegen. Sie brauchen sich somit um die Umsatzsteuer nicht zu kümmern. Die Kleinunternehmerregelung bedeutet aber auch, dass Sie die Umsatzsteuer, die Sie für die Anschaffung Ihrer Anlage, die Wartung oder etwaige Reparaturen gezahlt haben, auch nicht als Vorsteuer bei Ihrem Finanzamt geltend machen können und zurück erhalten.

Sie können auf die Kleinunternehmerregelung verzichten

Sie haben die Möglichkeit, auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung zu verzichten. Sofern Sie sich für den Verzicht entscheiden, können Sie die Ihnen von anderen Unternehmern in Rechnung gestellte Umsatzsteuer beim Finanzamt als Vorsteuer geltend machen. Im Gegenzug zahlen Sie die Umsatzsteuerbeträge, die Sie von Ihrem Energieversorger für den verkauften Strom erhalten, an das Finanzamt. Das bedeutet für Sie: Sie sind verpflichtet Umsatzsteuer-Voranmeldungen und jährlich eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung an Ihr Finanzamt elektronisch zu übermitteln. Die Vorsteuer aus der Errichtung der Photovoltaikanlage oder aus den laufenden Kosten (z. B. Wartung, Reparatur etc.) beantragen Sie ebenfalls in den entsprechenden Umsatzsteuer-Voranmeldungen und der Jahreserklärungen.
Sollten Sie auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichten, so gilt dieser Verzicht für eine Dauer von fünf Jahren. Erst nach dieser Zeit brauchen Sie keine Umsatzsteuer-Voranmeldung und keine Umsatzsteuer-Jahreserklärung mehr abgeben. 

Besteuerung des Eigenverbrauchs (unentgeltliche Wertabgabe)

Machen Sie die gesamte Vorsteuer geltend, verbrauchen aber einen Teil des erzeugten Stroms privat, müssen Sie zum Ausgleich der geltend gemachten Vorsteuer für den selbst verbrauchten Strom Umsatzsteuer anmelden und bezahlen.

Weitere Ausführungen zur Umsatzsteuer

Allgemein zur Umsatzsteuer verweisen wir auf unseren Beitrag „Umsatzsteuer: So machen Sie alles richtig“.

So ermitteln Sie Ihren Gewinn im Rahmen einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Erhalten Sie als Betreiber/-in einer Photovoltaikanlage, die an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, für den erzeugten Strom eine Vergütung, erzielen Sie Einnahmen aus Gewerbebetrieb. Von Ihren Einnahmen ziehen Sie die mit Ihrer Photovoltaikanlage in Zusammenhang stehenden Ausgaben ab und ermitteln so Ihren Gewinn.

Stan­dar­di­sier­te Ein­nah­men­über­schuss­rech­nung (An­la­ge EÜR) ab Veranlagungszeitraum 2017

Ab dem Veranlagungszeitraum 2017 sind grundsätzlich alle Steuerpflichtigen, die ihren Gewinn durch Einnahmenüberschussrechnung ermitteln, zur Übermittlung der standardisierten Anlage EÜR nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung verpflichtet.

Mehr Informationen finden Sie auf den Seiten des Bundesministeriums für Finanzen
 

Berechnungsschema: Einnahmenüberschussrechnung (EÜR)

In aller Regel ermitteln Sie Ihren Gewinn im Rahmen einer Einnahmenüberschussrechnung nach dem folgenden Schema:
 

Einnahmen   _______ €
abzüglich Ausgaben - _______ €
Gewinn =_______ €

 

a) Betriebseinnahmen

Alle Einnahmen, die Sie im Zusammenhang mit Ihrer Photovoltaikanlage erhalten, erfassen Sie als Betriebseinnahmen. Üblicherweise sind dies die von Ihrem Energieversorger monatlich ausgezahlten Abschlagzahlungen zzgl. Umsatzsteuer. Darüber hinaus erhalten Sie von Ihrem Energieversorger eine Jahresabrechnung, die sich auf das jeweilige Vorjahr bezieht. Sofern Sie hier weitere Einnahmen erhalten, sind diese ebenfalls von Ihnen als Betriebseinnahmen zu erfassen.
Sofern Sie den mit Ihrer Photovoltaikanlage erzeugten Strom privat verbrauchen, ist für den privaten Verbrauch einschließlich der darauf entfallenden Umsatzsteuer eine zusätzliche Einnahme anzusetzen.

In Ihrer Gewinnermittlung für das Jahr 2015 erfassen Sie alle Einnahmen, die Sie im Jahr 2015 erhalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Nachzahlung für 2014 oder eine Vorauszahlung für 2016 handelt.

Besonderheit rund um den Jahreswechsel

Bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung gilt das so genannte Zu- und Abflussprinzip. Das bedeutet: Einnahmen werden für das Jahr erfasst, in dem Sie Ihnen tatsächlich zugeflossen sind. Ausgaben sind in dem Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie gezahlt wurden.
Rund um den Jahreswechsel (10 Tage vor und nach dem Jahreswechsel) gilt eine Besonderheit: Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben erfassen Sie in dem Jahr, zu dem sie wirtschaftlich gehören. Insofern wird hier das Zu- und Abflussprinzip aufgeweicht.

Beispiel

Die Dezember-Vergütung 2015 von 200 € zzgl. 38 € Umsatzsteuer wird Ihrem Girokonto am 6. Januar 2016 gutgeschrieben. Da es sich um eine regelmäßige Einnahme handelt, erfassen Sie die Einnahme nicht im Jahr 2016, sondern in Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung 2015. Wäre die Gutschrift Ihrem Girokonto wertmäßig erst am 11. Januar 2016 gutgeschrieben worden, würde die Einnahme in das Jahr 2016 und nicht in das Jahr 2015 gehören.

b) Betriebsausgaben

Im Zusammenhang mit Ihrer Photovoltaikanlage entstehen Ihnen regelmäßig Aufwendungen, die Sie als Betriebsausgaben geltend machen können. Die größte Position ist dabei der Abschreibungsbetrag Ihrer Photovoltaikanlage.

Die Anschaffungskosten Ihrer Photovoltaikanlage addieren Sie und schreiben diese über einen Zeitraum von 20 Jahren mit jährlich 5 % ab. Beachten Sie dabei im Erstjahr die Zeitanteiligkeit. Das bedeutet, dass Sie die Anlage nur für die Monate abschreiben können, ab der sie in Betrieb gewesen ist.

Arbeitszimmer- und Gebäudeaufwendungen sind nicht abzugsfähig

Der Betriebsausgabenabzug ist für Ihr Arbeitszimmer ausgeschlossen, wenn es nach Art und Umfang Ihrer Tätigkeit nicht erforderlich ist. Die reine Überwachung der Abrechnungen einer Photovoltaikanlage und die Erstellung von einfachen Umsatzsteuervoranmeldungen und einer Einnahmenüberschussrechnung reichen für einen Betriebsausgabenabzug nicht aus. Ihre Kosten bleiben unberücksichtigt.

Gebäudeaufwendungen wie z. B. Abschreibung, Schuldzinsen, Grundsteuer, Gebäudeversicherungen, Müllabfuhr etc. können Sie nicht als Betriebsausgaben nach § 4 Abs. 4 EStG geltend machen. Die Ausgaben stehen nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Gewerbebetrieb Stromerzeugung, sondern sind im Zusammenhang mit der Anschaffung/Herstellung, dem Erhalt und der Nutzung Ihres privaten Gebäudes zu betrachten.

Beachten Sie die Buchführungsgrenze

Erst wenn Sie einen Gewinn von mehr als 60.000 € im Jahr erzielen oder der jährliche Stromumsatz 600.000 € übersteigt, sind Sie verpflichtet, Ihren Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich zu ermitteln. In diesem Fall stellen Sie keine Einnahmen-Überschuss-Rechnung auf, sondern eine Bilanz.

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