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Filme mit Fin: Steuerliche Aspekte beim Betrieb einer Photovoltaikanlage

30. Januar 2020

Sie haben eine Photovoltaikanlage auf dem Dach Ihres privaten Hauses installiert? Fin erklärt Ihnen die steuerlichen Folgen: Warum Sie damit auch Unternehmerin bzw. Unternehmer sind und welche Steuererklärungen Sie beim Finanzamt einreichen müssen.

Der Bundestag hat die Abgabefrist für die Steuererklärungen für das Jahr 2019, die von Steuerberaterinnen und Steuerberatern erstellt werden, um sechs Monate, bis zum 31. August 2021, verlängert. Wer zur Abgabe einer Steuererklärung für das Jahr 2020 verpflichtet ist, hat dafür in diesem Jahr drei Monate mehr Zeit. Damit endet die Abgabefrist grundsätzlich am 2. November 2021. Wer eine Steuerberatung oder einen Lohnsteuerhilfeverein einschaltet, hat sogar Zeit bis zum 31. Mai 2022.
 
Weitere Informationen rund um dieses Thema finden Sie in unseren Steuerinfos.   

Die Anlage EÜR für Ihre Gewinnermittlung gibt es auf der Seite des Bundesministeriums der Finanzen.

Alle Steuererklärungen können Sie vollständig online über Mein Elster erstellen und an Ihr Finanzamt übermitteln
 

Ihre Photovoltaikanlage und das Finanzamt

Wenn Sie mit einer Photovoltaikanlage Strom erzeugen und diesen zumindest teilweise in das öffentliche Netz einspeisen und verkaufen, erzielen Sie grundsätzlich Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die in der Regel der Einkommensteuer und der Gewerbesteuer unterliegen. Sie sind zudem Unternehmerin und Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes. Auf Sie kommen neue Pflichten zu: Sie ermitteln den Gewinn für Ihren Betrieb „Photovoltaikanlage" regelmäßig mit einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) selbst. Darüber hinaus werden Sie gegebenenfalls Umsatzsteuer-Voranmeldungen und eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung an das Finanzamt elektronisch übermitteln. Für bestimmte Photovoltaikanlagen können Sie als Betreiberin und Betreiber jedoch auch von diversen steuerlichen Erleichterungen profitieren. So können Sie zum Beispiel, wenn die installierte Gesamtleistung der betriebenen Photovoltaikanlage(n) bis zu 10,0 kW (peak) beträgt, für die Einkommensteuer gegebenenfalls eine Vereinfachungsregelung in Anspruch nehmen. Danach wird auf schriftlichen Antrag ohne weitere Prüfung unterstellt, dass Sie diese Photovoltaikanlage(n) nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betreiben und daher eine einkommensteuerlich unbeachtliche Tätigkeit vorliegt.
Bitte beachten Sie dabei, dass die umsatzsteuerliche Behandlung und die einkommensteuerliche Behandlung einer Photovoltaikanlage nicht deckungsgleich sein müssen. Umsatzsteuer und Einkommensteuer haben unterschiedliche Zielsetzungen. Die Umsatzsteuer als Verkehrsteuer besteuert den Austausch (Verkehr) von Lieferungen und Leistungen. Die Einkommensteuer als Ertragsteuer besteuert die Einkünfte, also den Gewinn.
Mit den nachfolgenden Ausführungen wollen wir Ihnen einen Einblick in die Thematik geben und Sie dabei unterstützen, bei der steuerlichen Behandlung Ihres Betriebes „Photovoltaikanlage" alles richtig zu machen.
 

Wie erfolgt die Aufnahme meines Betriebs „Photovoltaikanlage“ beim Finanzamt?

Damit das Finanzamt die Aufnahme Ihrer Tätigkeit prüfen und Ihnen eine Steuernummer zuteilen kann, benötigt dieses den sogenannten „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“, der von Ihnen elektronisch an Ihr Finanzamt zu übermitteln ist. Der elektronische Fragebogen zur steuerlichen Erfassung wird im Online-Finanzamt „Mein Elster" zur Verfügung gestellt. Für den Zugriff auf „Mein Elster“ benötigen Sie ein Zertifikat. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.elster.de und in unserem Internetbeitrag zu „ELSTER dem Online-Finanzamt“. Den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung finden Sie nach der Anmeldung unter der Rubrik „Formulare & Leistungen > Alle Formulare > Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“.
In dem Fragebogen geben Sie neben Ihren persönlichen Daten im Wesentlichen die Art und den Beginn der ausgeübten Tätigkeit sowie die voraussichtliche Höhe der Einnahmen bzw. des erwarteten Gewinns an. Füllen Sie bitte in jedem Fall den Fragebogen vollständig und sorgfältig aus, damit das Finanzamt die zutreffenden steuerlichen Folgerungen ziehen kann. Außerdem benötigt das Finanzamt bei der Gründung Ihres Betriebs „Photovoltaikanlage“ noch folgende Unterlagen:

Anhand dieser Angaben wird Ihnen das Finanzamt dann eine Steuernummer zuteilen und beispielsweise prüfen, ob und in welcher Höhe Einkommensteuervorauszahlungen zu leisten und Steuererklärungen abzugeben sind.
Die zugeteilte Steuernummer wird Ihnen im Anschluss auf postalischem Wege zugesendet. Diese Steuernummer benötigt der Netzbetreiber zur Abrechnung Ihres verkauften Stroms.

Weitere Ausführungen zum ersten Kontakt mit dem Finanzamt

Weitere ausführliche Informationen zum ersten Kontakt mit dem Finanzamt, zu den Steuerarten und Steuererklärungen sowie zum Zahlungsverkehr mit dem Finanzamt finden Sie unter unserem Beitrag „Steuertipps für Existenzgründerinnen und Existenzgründer“.

Die Umsätze, die Unternehmerinnen und Unternehmer erzielen, sind grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Hiervon gibt es Ausnahmen: Dazu gehört die Kleinunternehmerregelung.

Wann sind Sie Kleinunternehmerin bzw. Kleinunternehmer?

Kleinunternehmerin bzw. Kleinunternehmer sind Sie immer dann, wenn Ihre Umsätze im laufenden Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen werden und im Vorjahr nicht mehr als 22.000 Euro betragen haben. Als Photovoltaik-Anlagenbetreiberin oder Anlagenbetreiber werden Sie höchstwahrscheinlich in diesem Grenzbereich liegen. Sie brauchen sich somit - vereinfacht ausgedrückt - um die Umsatzsteuer nicht zu kümmern. Sie müssen keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen an Ihr Finanzamt übermitteln, sondern lediglich eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung. In dieser geben Sie an, dass Sie die zuvor genannten Umsatzgrenzen nicht überschritten haben. Außerdem wird in Ihren Rechnungen die Umsatzsteuer nicht zusätzlich berechnet (offen ausgewiesen). Die Kleinunternehmerregelung bedeutet aber auch, dass Sie die Umsatzsteuer, die Sie für die Anschaffung Ihrer Anlage, die Wartung oder etwaige Reparaturen gezahlt haben, auch nicht als Vorsteuer bei Ihrem Finanzamt geltend machen können und zurückerhalten.

Sie können auf die Kleinunternehmerregelung verzichten

Sie haben die Möglichkeit, auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung zu verzichten. Sofern Sie sich für den Verzicht entscheiden, können Sie die Ihnen von anderen Unternehmern in Rechnung gestellte Umsatzsteuer beim Finanzamt als Vorsteuer geltend machen. Im Gegenzug zahlen Sie die Umsatzsteuerbeträge, die Sie von Ihrem Energieversorger für den verkauften Strom erhalten, sowie ggf. die von Ihnen selbst zu berechnende Umsatzsteuer auf den privat verbrauchten Strom an das Finanzamt. Informationen zur Besteuerung des Eigenverbrauchs finden Sie in diesem Beitrag unter „Besteuerung des Eigenverbrauchs (unentgeltliche Wertabgabe)“.
Das bedeutet für Sie: Sie sind verpflichtet Umsatzsteuer-Voranmeldungen und jährlich eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung an Ihr Finanzamt elektronisch zu übermitteln. Die Vorsteuer aus der Errichtung der Photovoltaikanlage oder aus den laufenden Kosten (z. B. Wartung, Reparatur etc.) beantragen Sie ebenfalls in den entsprechenden Umsatzsteuer-Voranmeldungen und der Jahreserklärung.
Sollten Sie auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichten, so gilt dieser Verzicht für eine Dauer von fünf Jahren. Erst nach dieser Zeit ist ein Wechsel zur Kleinunternehmerschaft wieder möglich und Sie brauchen keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen mehr abgeben.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag „So werden Kleinunternehmer/-innen besteuert“.

Besteuerung des Eigenverbrauchs (unentgeltliche Wertabgabe)

Machen Sie die gesamte Vorsteuer geltend, verbrauchen aber einen Teil des erzeugten Stroms privat, müssen Sie zum Ausgleich der geltend gemachten Vorsteuer für den selbst verbrauchten Strom Umsatzsteuer anmelden und bezahlen. Informationen zur Ermittlung des Eigenverbrauchs finden Sie in diesem Beitrag unter „Wie muss ich den Eigenverbrauch in den Steuererklärungen angeben?“.

Weitere Ausführungen zur Umsatzsteuer

Allgemein zur Umsatzsteuer verweisen wir auf unseren Beitrag „Umsatzsteuer: So machen Sie alles richtig“ und für weitere Einzelheiten auf das zum Download verfügbare Merkblatt „Photovoltaikanlage und Umsatzsteuer“.

Erzeugen Sie mit dem Betrieb einer Photovoltaikanlage Strom und speisen Sie diesen zumindest teilweise entgeltlich in das öffentliche Stromnetz ein, erzielen Sie damit Einkünfte aus Gewerbebetrieb, wenn die Photovoltaikanlage mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird.
Für Sie besteht ab dem Jahr der Inbetriebnahme grundsätzlich die Verpflichtung, Ihre Einkommensteuererklärung bis zum 31. Juli des Folgejahres an Ihr Finanzamt zu übermitteln. Falls ein Angehöriger eines steuerberatenden Berufs für Sie die Einkommensteuererklärung erstellt, verlängert sich die Frist automatisch bis zum letzten Tag des Monats Februar des Zweitfolgejahres (Beachte: Für die Steuererklärungen 2020 bis 2022 gelten verlängerte  Abgabefristen).
Sofern Sie z. B. bisher lediglich Einkünfte aus Ihrer Tätigkeit als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer erzielt haben, fügen Sie Ihrer Einkommensteuererklärung zukünftig noch die Anlage G bei. Hier tragen Sie den Gewinn aus dem Betrieb Ihrer Photovoltaikanlage ein. Daneben ist regelmäßig eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) auf den gesonderten Vordrucken zur Anlage EÜR an das Finanzamt zu übermitteln, in der Sie den Gewinn aus dem Betrieb Ihrer Photovoltaikanlage ermitteln. Die Einkommensteuererklärung und die Anlage EÜR müssen elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden.

Für die elektronische authentifizierte Übermittlung benötigen Sie ein Zertifikat. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.elster.de und in unserem Internetbeitrag zu „ELSTER dem Online-Finanzamt“.

Vorgenanntes gilt nicht, wenn Sie die Vereinfachungsregelung für die Einkommensteuer nach dem BMF-Schreiben vom 29.10.2021, BStBl I 2021 Seite 2202 in Anspruch nehmen. Näheres hierzu finden Sie in diesem Internetbeitrag unter „Vereinfachungsregelung für die Einkommensteuer“.

Wann wird eine Photovoltaikanlage nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben?

Eine der Voraussetzungen für die Annahme einer gewerblichen Tätigkeit nach dem Einkommensteuerrecht ist, dass diese mit der Absicht betrieben wird, Gewinne zu erzielen (§ 15 Absatz 2 Satz 1 Einkommensteuergesetz). Dies bedeutet, dass für die gesamte Dauer, also von der Gründung bis zur Einstellung oder bis zum Verkauf des Betriebs, ein positives Gesamtergebnis (Totalgewinn) angestrebt werden muss. Wird eine Tätigkeit ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben, liegt steuerlich eine sog. „Liebhaberei“ vor. In diesen Fällen ist die Tätigkeit ertragsteuerlich unbeachtlich.

Wird von Ihrem Finanzamt festgestellt, dass Sie Ihre Photovoltaikanlage ohne Gewinnerzielungsabsicht betreiben, müssen Sie Ihrem Finanzamt nun keine Einnahmen-Überschuss-Rechnung mehr übermitteln. Außerdem brauchen Sie keine Angaben mehr über den Betrieb der Photovoltaikanlage in Ihrer Einkommensteuererklärung zu machen.

Aber bitte beachten Sie, dass die Grundsätze für die Umsatzsteuer von der Liebhaberei unberührt bleiben.

Erhalten Sie als Betreiberin oder Betreiber einer Photovoltaikanlage, die an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, für den erzeugten Strom eine Vergütung, erzielen Sie Einnahmen aus Gewerbebetrieb. Der tatsächliche Gewinn oder Verlust aus Ihrem Gewerbebetrieb wird anhand der sogenannten Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ermittelt. Die  EÜR übermitteln Sie Ihrem Finanzamt auf den gesonderten Vordrucken zur Anlage EÜR elektronisch. Für die elektronische authentifizierte Übermittlung benötigen Sie ein Zertifikat. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.elster.de und in unserem Internetbeitrag zu „ELSTER dem Online-Finanzamt“.

Die Übermittlung der  EÜR ist nicht erforderlich, wenn Sie die Vereinfachungsregelung für die Einkommensteuer in Anspruch nehmen. Näheres hierzu finden Sie in diesem Internetbeitrag unter „Vereinfachungsregelung für die Einkommensteuer“.

In der EÜR ziehen Sie von Ihren Einnahmen die mit Ihrer Photovoltaikanlage in Zusammenhang stehenden Ausgaben ab und ermitteln so Ihren Gewinn. Diesen ermitteln Sie im Regelfall für das Kalenderjahr.
 

Berechnungsschema: Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)

In aller Regel ermitteln Sie Ihren Gewinn im Rahmen einer EÜR nach dem folgenden Schema:
 

Einnahmen   _______ €
abzüglich Ausgaben - _______ €
Gewinn =_______ €

 

Was zählt alles zu den Betriebseinnahmen?

Alle Einnahmen, die Sie im Zusammenhang mit Ihrer Photovoltaikanlage erhalten, erfassen Sie als Betriebseinnahmen. Üblicherweise sind dies die von Ihrem Energieversorger monatlich ausgezahlten Abschlagszahlungen zzgl. Umsatzsteuer. Darüber hinaus erhalten Sie von Ihrem Energieversorger eine Jahresabrechnung, die sich auf das jeweilige Vorjahr bezieht. Wenn Sie hier weitere Einnahmen erhalten, sind diese ebenfalls von Ihnen als Betriebseinnahmen zu erfassen.
Sofern Sie den mit Ihrer Photovoltaikanlage erzeugten Strom privat verbrauchen, ist für den privaten Verbrauch einschließlich der darauf entfallenden Umsatzsteuer eine zusätzliche Einnahme anzusetzen. Informationen zur Ermittlung des Eigenverbrauchs finden Sie in diesem Beitrag unter „Wie muss ich den Eigenverbrauch in den Steuererklärungen angeben?“.
In Ihrer Gewinnermittlung für das Jahr 2021 erfassen Sie alle Einnahmen, die Sie im Jahr 2021 erhalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Nachzahlung für 2020 oder eine Vorauszahlung für 2022 handelt.

Was zählt alles zu den Betriebsausgaben?

Im Zusammenhang mit Ihrer Photovoltaikanlage entstehen Ihnen regelmäßig Aufwendungen, die Sie als Betriebsausgaben geltend machen können. Zu den Betriebsausgaben zählen unter anderem laufende Kosten wie z.B. Darlehenszinsen für eine Finanzierung der Anlagenanschaffungskosten, Versicherungen sowie Betriebs- und Wartungskosten.
Die größte Position bei den Aufwendungen ist aber regelmäßig der Abschreibungsbetrag Ihrer Photovoltaikanlage. Die Anschaffungskosten Ihrer Photovoltaikanlage addieren Sie und schreiben diese über einen Zeitraum von 20 Jahren mit jährlich 5 % ab. Beachten Sie dabei im Erstjahr die Zeitanteiligkeit. Das bedeutet, dass Sie die Anlage nur für die Monate abschreiben können, ab der sie in Betrieb gewesen ist.

Arbeitszimmer- und Gebäudeaufwendungen sind nicht abzugsfähig

Der Betriebsausgabenabzug für ein Arbeitszimmer ist grundsätzlich ausgeschlossen. Die reine Überwachung der Abrechnungen einer Photovoltaikanlage und die Erstellung von einfachen Umsatzsteuervoranmeldungen und einer EÜR reichen für eine steuerliche Berücksichtigung von Kosten eines Arbeitszimmers nicht aus. 
Gebäudeaufwendungen wie z. B. Abschreibung, Schuldzinsen, Grundsteuer, Gebäudeversicherungen, Müllabfuhr etc. können Sie nicht als Betriebsausgaben geltend machen. Die Ausgaben stehen nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Gewerbebetrieb Stromerzeugung, sondern sind im Zusammenhang mit der Anschaffung/Herstellung, dem Erhalt und der Nutzung Ihres privaten Gebäudes zu betrachten.

Besonderheiten rund um den Jahreswechsel

Bei der EÜR gilt das sogenannte Zu- und Abflussprinzip. Das bedeutet: Einnahmen werden für das Jahr erfasst, in dem Sie Ihnen tatsächlich zugeflossen sind. Ausgaben sind in dem Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie gezahlt wurden.
Rund um den Jahreswechsel (Fälligkeit sowie Zahlung 10 Tage vor und nach dem Jahreswechsel) gilt eine Besonderheit: Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben erfassen Sie in dem Jahr, zu dem sie wirtschaftlich gehören. Insofern wird hier das Zu- und Abflussprinzip aufgeweicht.

Beispiel
Die Dezember-Vergütung 2021 von 200 Euro zzgl. 38 Euro Umsatzsteuer (Fälligkeit 03.01.2022) wird Ihrem Girokonto am 6. Januar 2022 gutgeschrieben. Da es sich um eine regelmäßige Einnahme handelt, erfassen Sie die Einnahme nicht im Jahr 2022, sondern in Ihrer EÜR 2021. Wäre die Gutschrift Ihrem Girokonto wertmäßig erst am 11. Januar 2022 gutgeschrieben worden, würde die Einnahme in das Jahr 2022 und nicht in das Jahr 2021 gehören.

Die Verwendung des Stroms für den privaten Haushalt ist einkommensteuerlich eine Sachentnahme des Stroms aus dem Gewerbebetrieb Photovoltaikanlage. Die Entnahme ist als Betriebseinnahme anzusetzen. Ziel der Entnahme ist eine Neutralisierung der Aufwendungen, die sich gewinnmindernd ausgewirkt haben.
Umsatzsteuerlich wird der Eigenverbrauch als unentgeltliche Wertabgabe bezeichnet. Wenn Sie die Vorsteuer aus der Anschaffung Ihrer Photovoltaikanlage geltend gemacht haben, müssen Sie zum Ausgleich für den eigenverbrauchten Strom diese unentgeltliche Wertabgabe versteuern.

Wie bestimme ich den Umfang des eigenverbrauchten Stroms?

Es bestehen mehrere Möglichkeiten, den Umfang des eigenverbrauchten Stroms zu bestimmen:

  1. Ist an Ihrer Photovoltaikanlage ein Stromzähler zur Erfassung des Eigenverbrauchs vorhanden, dann können Sie an diesem den Umfang des eigenverbrauchten Stroms ablesen.
  2. Verfügt Ihre Photovoltaikanlage über einen Stromzähler oder Wechselrichter, der die insgesamt erzeugte Strommenge zählt, kann der Umfang des eigenverbrauchten Stroms durch Abzug der an den Netzbetreiber gelieferten Strommenge von der insgesamt erzeugten Strommenge ermittelt werden.
  3. Wenn an Ihrer Photovoltaikanlage kein Stromzähler oder Wechselrichter für die Erfassung der insgesamt erzeugten Strommenge installiert ist, kann diese aus Vereinfachungsgründen unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen Volllaststundenzahl von 1.000 kW (peak) (jährlich erzeugte Kilowattstunden pro Kilowatt installierter Leistung) geschätzt werden. Betreiben Sie beispielsweise eine Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von 5 kW (peak), kann die insgesamt erzeugte Strommenge aus Vereinfachungsgründen mit 5.000 kWh geschätzt werden. Den Umfang des eigenverbrauchten Stroms können Sie dann durch Abzug der an den Netzbetreiber gelieferten Strommenge von der geschätzten insgesamt erzeugten Strommenge ermitteln.

Um den Umfang des eigenverbrauchten Stroms anhand eines Stromzählers oder Wechselrichters ermitteln zu können, ist der Wert, den der Zähler zum 31.12. eines Jahres für den insgesamt erzeugten Strom oder den eigenverbrauchten Strom anzeigt, von Ihnen zu dokumentieren. Beispielsweise können Sie hierfür den Zählerstand zum 31.12. abfotografieren.

Wie bewerte ich den eigenverbrauchten Strom in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung für die Einkommensteuererklärung?

Sie können den eigenverbrauchten Strom in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung und damit für die Einkommensteuer unter anderem wie folgt bewerten (Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage ab dem 01.04.2012):

  • mit den Wiederherstellungskosten anhand der individuellen angefallenen Kosten pro kWh. Hierzu gehören beispielsweise die Anschaffungskosten, die Verwaltungs- und Betriebskosten, aber auch die Finanzierungskosten
Beispiel
Ihre Photovoltaikanlage erzeugte im Jahr 2021 insgesamt eine Strommenge von 5.000 kWh. Die Anschaffungskosten der Photovoltaikanlage betrugen im Jahr 2019 10.000 Euro. Außerdem sind in 2021 200 Euro laufende Kosten angefallen.
Die Aufwendungen für das Jahr 2021 betragen für die Stromerzeugung der 5.000 kWh insgesamt 700 Euro. Diese setzen sich zusammen aus den anteiligen Anschaffungskosten von 500 Euro für das Jahr 2021 (10.000 Euro Anschaffungskosten der Photovoltaikanlage abgeschrieben auf einen Zeitraum von 20 Jahren), zuzüglich der laufenden Kosten von 200 Euro. Die Wiederherstellungskosten für 1 kWh betragen in diesem Fall damit 14 Cent/kWh. 
  • aus Vereinfachungsgründen mit einem pauschalen Wert von 20 Cent/kWh

Dieser Wert ist noch um die Umsatzsteuer für die unentgeltliche Wertabgabe zu erhöhen (vgl. nachfolgende Ausführungen zur Bewertung in der Umsatzsteuererklärung) und dann als Einnahme in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung zu erfassen.

Wie bewerte ich den eigenverbrauchten Strom in der Umsatzsteuererklärung?

Der eigenverbrauchte Strom Ihrer Photovoltaikanlage kann wie folgt bemessen werden (Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage ab dem 01.04.2012):

  • nach dem Einkaufspreis z. B. in Anlehnung an den Einkaufspreis bei Ihrem Energieversorger
  • mit dem Strompreis des Grundversorgers, wenn Sie keinen Strom bei einem Energieversorger zukaufen

Diesen Wert geben Sie als Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer in Ihrer Umsatzsteuererklärung an.

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat mit seinem Schreiben vom 29.10.2021, BStBl I 2021 Seite 2202 eine Vereinfachungsregelung für kleine Photovoltaikanlagen geschaffen. Danach können Sie als Anlagenbetreiberin oder Anlagenbetreiber nunmehr einen schriftlichen Antrag stellen, wonach die Anlage ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird. In diesem Fall wird, wenn die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Vereinfachungsregelung vorliegen, ohne weitere Prüfung unterstellt, dass eine einkommensteuerlich unbeachtliche Tätigkeit, eine sogenannte Liebhaberei, vorliegt. 
Haben Sie einen Antrag gestellt und liegen die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Vereinfachungsregelung vor, müssen Sie für Ihre Photovoltaikanlage(n) keine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen und die Einkünfte hieraus auch nicht in der Einkommensteuererklärung angeben. Sie müssen dann für die Photovoltaikanlage(n) auch keine Gewerbesteuererklärung abgeben. In der Folge werden weder Gewinne noch Verluste aus dem Betrieb der Anlagen einkommensteuerlich und gewerbesteuerlich berücksichtigt.
Die Vereinfachungsregelung kann auch für sich bereits in Betrieb befindliche Anlagen in Anspruch genommen werden.

Aber bitte beachten Sie: Die umsatzsteuerliche Behandlung derartiger Photovoltaikanlagen bleibt von der vorgenannten Vereinfachungsregelung unberührt.

Das sind die Voraussetzungen für die Vereinfachungsregelung

Die Vereinfachungsregelung gilt ausschließlich für Photovoltaikanlagen

  • mit einer installierten (Gesamt-)Leistung von bis zu 10,0 kW (peak). Betreiben Sie mehrere Photovoltaikanlagen sind für die 10,0 kW (peak)-Grenze die installierten Leistungen aller Photovoltaikanlagen zusammenzurechnen.
  • deren erzeugter Strom neben der Einspeisung in das öffentliche Stromnetz ausschließlich in den zu eigenen Wohnzwecken genutzten Räumen verbraucht wird. Dabei ist es unschädlich, wenn der Strom ausschließlich in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird und eine Eigennutzung des Stroms nicht erfolgt. Auch der Verbrauch des erzeugten Stroms in einem häuslichen Arbeitszimmer ist unschädlich. Eine unentgeltliche Überlassung zu Wohnzwecken steht der Nutzung zu eigenen Wohnzwecken gleich. Sie können die Vereinfachungsregelung nur in Anspruch nehmen, wenn der (teilweise) Verbrauch des durch die Photovoltaikanlage erzeugten Stroms durch einen Mieter oder zu anderweitigen eigenen oder fremden betrieblichen Zwecken technisch ausgeschlossen ist. Dies gilt nicht, wenn die Mieteinnahmen 520 Euro im Kalenderjahr nicht überschreiten.
  • die nach dem 31.12.2003 in Betrieb genommen wurden oder aber vor dem 01.01.2004 in Betrieb genommen wurden und die nach dem Auslaufen der Förderung in die Einspeisevergütung i.S.d. § 21 Absatz 1 Nummer 3 Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) 2021 eintreten (sogenannte ausgeförderte Anlagen).

Die Vereinfachungsregelung kann nur in Anspruch genommen werden, wenn die Voraussetzungen ganzjährig vorliegen.

Ob Sie mit Ihrer Photovoltaikanlage die Voraussetzungen für die Vereinfachungsregelung erfüllen, können Sie mit Hilfe des zum Download verfügbaren Ablaufschemas prüfen.

Weitere Einzelheiten und Zweifelsfragen zu den Voraussetzungen für die Vereinfachungsregelung finden Sie in diesem Internetbeitrag unter den FAQ.

Falls sich die für den Antrag maßgeblichen Verhältnisse ändern, sind Sie verpflichtet, dies Ihrem Finanzamt mitzuteilen. Das Finanzamt prüft daraufhin die weitere Anwendbarkeit der Vereinfachungsregelung.

Wie kann ich die Vereinfachungsregelung in Anspruch nehmen?

Um die Vereinfachungsregelung in Anspruch zu nehmen, stellen Sie einen schriftlichen Antrag bei Ihrem Finanzamt, der folgende Angaben enthalten muss:

  • Erklärung, für welche Anlage(n) die Vereinfachungsregelung in Anspruch genommen werden soll
  • installierte Leistung der Anlage(n)
  • Datum der erstmaligen Inbetriebnahme
  • Installationsort(e)
  • Erklärung, dass der produzierte Strom neben der Einspeisung in das öffentliche Netz ausschließlich in den zu eigenen Wohnzwecken genutzten Räumen verbraucht wird

Zusätzlich sollten Sie zur Identifikation der Photovoltaikanlage(n) die Nummer(n) des Marktstammdatenregisters im Antrag mit angeben.

Zur Vereinfachung der Antragstellung steht Ihnen ein Antragsformular in diesem Internetbeitrag zum Download zur Verfügung. Der Antrag ist eigenhändig – bei von Ehegatten und Lebenspartnern gemeinsam betriebenen Anlagen von beiden – zu unterschreiben.

Haben Sie den Antrag bei Ihrem Finanzamt eingereicht, prüft dieses, ob Ihre Photovoltaikanlage die Voraussetzungen der Inanspruchnahme für die Vereinfachungsregelung erfüllt.

Diese Fristen haben Sie für Ihre Antragstellung zu beachten

Für Anlagen, die nach dem 31.12.2021 in Betrieb genommen wurden und werden, ist der Antrag bis zum Ablauf des Jahres zu stellen, das auf das Jahr der Inbetriebnahme folgt. Haben Sie Ihre Anlage beispielsweise im Januar 2022 in Betrieb genommen, müssen Sie spätestens bis zum 31.12.2023 einen Antrag für die Vereinfachungsregelung bei Ihrem Finanzamt stellen.

Für Anlagen, die vor dem 31.12.2021 in Betrieb genommen wurden, ist der Antrag bis zum 31.12.2022 zu stellen.

Für die sogenannten ausgeförderten Anlagen, also Anlagen, die vor dem 01.01.2004 in Betrieb genommen wurden, und die nach dem Auslaufen der Förderung in die Einspeisevergütung i.S.d. § 21 Absatz 1 Nummer 3 EEG 2021 eintreten, ist der Antrag bis zum Ablauf des Jahres zu stellen, das auf das Jahr folgt, in dem letztmalig die erhöhte garantierte Einspeisevergütung gewährt wurde.

Ist die erhöhte garantierte Einspeisevergütung bereits in 2020 oder früher letztmalig gezahlt worden, kann der Antrag in diesem Fall ebenfalls bis zum 31.12.2022 gestellt werden.

Folgen der Inanspruchnahme der Vereinfachungsregelung

Wenn Sie den Antrag bei Ihrem Finanzamt einreichen und die Voraussetzungen für die Vereinfachungsregelungen erfüllt sind, unterstellt das Finanzamt, dass die Photovoltaikanlage von Beginn an ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben wurde. Dementsprechend werden aus der Photovoltaikanlage weder Gewinne noch Verluste einkommensteuerlich und gewerbesteuerlich berücksichtigt. 
Der Antrag wirkt ab dem ersten Jahr, für das noch kein Steuerbescheid erlassen wurde, sowie für alle Folgejahre und Vorjahre, soweit diese noch verfahrensrechtlich geändert werden können.
Bei den sogenannten ausgeförderten Anlagen, also Anlagen, die vor dem 01.01.2004 in Betrieb genommen wurden und die nach dem Auslaufen der Förderung in die Einspeisevergütung i.S.d. § 21 Absatz 1 Nummer 3 EEG 2021 eintreten, sind Besonderheiten zu beachten. Der Antrag wirkt hier erst ab dem Jahr, das auf das Jahr folgt, in dem letztmalig die garantierte Einspeisevergütung gewährt wurde und für alle folgenden Jahre.

Weil der Betrieb der Photovoltaikanlage nach erfolgreichem Antrag eine einkommensteuerlich unbeachtliche Tätigkeit darstellt, müssen Sie Ihrem Finanzamt nun keine Einnahmen-Überschuss-Rechnung mehr übermitteln. Außerdem brauchen Sie keine Angaben mehr über den Betrieb der Photovoltaikanlage in Ihrer Einkommensteuererklärung zu machen.

Und was ist mit der Umsatzsteuer?

Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei ausschließlich um eine Vereinfachungsregelung für die Einkommensteuer handelt. Ausführungen zur Umsatzsteuer und den dort geltenden Vereinfachungsregelungen finden Sie hier im Internetbeitrag unter „Das gilt für die Umsatzsteuer“.
 

Sie unterhalten einen Gewerbebetrieb, wenn die Photovoltaikanlage mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben wird (siehe obige Ausführungen zur Einkommensteuer, insbesondere zur Vereinfachungsregelung). Dieser Gewerbebetrieb unterliegt dem Grunde nach der Gewerbesteuer. 

Kleinere Photovoltaikanlagen bis zu einer installierten Leistung von 10 Kilowatt sind jedoch in der Regel von der Gewerbesteuer nach § 3 Nummer 32 Gewerbesteuergesetz befreit. Bei größeren Photovoltaikanlagen fällt Gewerbesteuer nur an, wenn der Gewerbeertrag 24.500 Euro im Jahr übersteigt (gewerbesteuerlicher Freibetrag für Einzelpersonen und Personengesellschaften, § 11 Absatz 1 Satz 3 Nummer 1 Gewerbesteuergesetz).

Weitere Ausführungen zur Gewerbesteuer

Allgemein zur Gewerbesteuer verweisen wir auf unsere Broschüre „Steuertipps für Existenzgründer/-innen“ und auf unseren Internetbeitrag „Alles was Sie zur Gewerbesteuer wissen müssen“.
 

FAQ zum Entwurf des Jahressteuergesetzes 2022

Nein, die Regelungen für PV-Anlagen sind bisher nicht in Kraft getreten. Das Bundeskabinett hat den Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2022 (JStG 2022), der insbesondere eine größenabhängige Ertragsteuerbefreiung für Einnahmen und Entnahmen und einen „Nullsteuersatz“ bei der Umsatzsteuer für die Lieferung und Installation von Solarpaneelen vorsieht, in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht.

Der Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens bleibt abzuwarten. Die vorgesehenen Regelungen können im Gesetzgebungsverfahren noch Änderungen unterliegen und sind nicht als verbindlich anzusehen.

Die nachfolgenden Ausführungen erfolgen auf der Grundlage des vorliegenden Gesetzentwurfs.

Der Gesetzentwurf sieht Regelungen für den Abbau der steuerlichen Hürden bei der Anschaffung und dem Betrieb kleiner PV-Anlagen ab dem 01.01.2023 vor.

Bei Wirtschaftlichkeitsüberlegungen einer Investitionsentscheidung spielen viele Faktoren eine Rolle, so dass die Finanzverwaltung hierzu keine Aussage treffen kann.

  1. Können Kosten, die im Zusammenhang mit dem Betrieb einer steuerbefreiten Photovoltaikanlage entstehen, steuermindernd berücksichtigt werden?

    Infolge der Steuerbefreiung können die mit dem Betrieb von steuerbefreiten Photovoltaikanlagen in unmittelbarem Zusammenhang stehenden Aufwendungen (wie z.B. Abschreibung, Wartungs- und Instandhaltungskosten) steuerlich nicht mehr als Betriebsausgaben berücksichtigt werden (§ 3c Abs. 1 EStG).
     

  2. Wenn ich noch in 2022 eine PV-Anlage in Betrieb nehme, profitiere ich schon von der Steuerbefreiung?

    Für die Ertragsteuer sieht der Gesetzesentwurf zum JStG 2022 vor, die Einnahmen und Entnahmen von PV-Anlagen mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowatt (peak) ab dem Jahr 2023 von der Steuer zu befreien. Unerheblich für diese Steuerbefreiung ist, wann die PV-Anlage in Betrieb genommen wurde. Damit würden auch die Einnahmen und Entnahmen des Jahres 2023 einer PV-Anlage, die in 2022 in Betrieb genommen wird oder wurde, von der Steuer befreit. Für die Einnahmen und Entnahmen des Jahres 2022 greift die Steuerbefreiung nicht; hier kommt ggf. die Vereinfachungsregelung gemäß Scheiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 29.10.2021 (veröffentlicht im Bundessteuerblatt 2021 Teil I Seite 2202) zur Anwendung.
     

  3. Gibt es bis zur Einführung der Steuerbefreiung eine Übergangszeit bzw. eine Regelung mit einer „Rückwirkung“?

    Eine Übergangszeit oder eine Regelung mit einer Rückwirkung sieht der Gesetzesentwurf zum JStG 2022 nicht vor.

    Allerdings wurde für die Einkommensteuer bereits mit Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 29.10.2021 (veröffentlicht im Bundessteuerblatt 2021 Teil I Seite 2202) eine Vereinfachungsregelung eingeführt, wodurch für PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu 10 Kilowatt (peak) unter bestimmten Voraussetzungen auf Antrag faktisch eine Steuerbefreiung gewährt wird.

  1. Für welche PV-Anlagen soll der Nullsteuersatz gelten?

    Der Nullsteuersatz gilt für die Lieferung bzw. Installation sämtlicher PV-Anlagen, die auf oder in der Nähe von Privatwohnungen, Wohnungen (z.B. auch Einfamilienhäuser) sowie öffentlichen und anderen Gebäuden, die für dem Gemeinwohl dienende Tätigkeiten genutzt werden, installiert werden. Diese Voraussetzung wird als erfüllt angesehen, wenn die einzelne im Marktstammregister registrierte Anlage eine installierte Leistung von 30 Kilowatt (peak) nicht überschreitet.

    Die Leistungsfähigkeit der Anlage ist für den Nullsteuersatz grundsätzlich nicht maßgeblich. Allerdings kann die Leistungsfähigkeit der Anlage infolge der Höhe der damit erzielten Einnahmen die Anwendung der Kleinunternehmerregelung ausschließen (s. Frage 6).
     

  2. Wann gilt der Nullsteuersatz für die Anschaffung und Montage von Photovoltaikanlagen?

    Für den Nullsteuersatz ist der Zeitpunkt der Bestellung, der Vertragsabschluss oder das Ausstellen der Rechnung nicht maßgeblich.

    Allein der Zeitpunkt der Lieferung bzw. der Abschluss der Installation der PV-Anlage ist für die Bestimmung relevant, ob der Nullsteuersatz Anwendung findet.

    Eine nach dem 31.12.2022 erteilte Rechnung für eine vor dem 01.01.2023 gelieferte oder installierte PV-Anlage berechtigt nicht zur Inanspruchnahme des Nullsteuersatzes.
     

  3. Wie wirkt sich die Begünstigung auf den Betreiber der PV-Anlage aus?

    Da die Anschaffung bzw. Installation ab dem 01.01.2023 dem Nullsteuersatz unterliegt, beinhaltet der Preis für die PV-Anlage ab diesem Zeitpunkt keine Umsatzsteuer mehr.

    Die gesonderte Inanspruchnahme eines Vorsteuerabzugs gegenüber dem Finanzamt ist mangels entrichteter Umsatzsteuer nicht erforderlich. Wirtschaftlich wird der Betreiber der PV-Anlage durch den Nullsteuersatz so gestellt, als hätte er den Vorsteuerabzug bereits geltend gemacht.
     

  4. Gilt der Nullsteuersatz auch für Batteriespeicher oder z.B. Wechselrichter?

    Ja, von der geplanten Regelung sind die Lieferung bzw. Montage von Batteriespeicher sowie sämtliche für den Betrieb der PV-Anlage wesentliche Komponenten erfasst.
     

  5. Mit dem Auftrag wird eine Anzahlung fällig. Wie ist diese umsatzsteuerlich zu behandeln, wenn die Photovoltaikanlage nach dem 31.12.2022 geliefert bzw. die Installation abgeschlossen wird?

    Eine vor dem 01.01.2023 entrichtete Anzahlung unterliegt dem zu diesem Zeitpunkt anzuwendenden Regelsteuersatz von 19 %.

    Bei Lieferung bzw. Abschluss der Installation nach dem 31.12.2022 gilt der Nullsteuersatz für die gesamte Leistung – auch für die Anzahlung. In der Abschlussrechnung ist dies entsprechend zu berücksichtigen.
     

  6. Wie kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden und was sind die Folgen?

    In der Anmeldung der unternehmerischen Tätigkeit beim Finanzamt (Fragebogen zu steuerlichen Erfassung) kann unter 7.4 angegeben werden, dass die Regelung für Kleinunternehmer angewendet werden soll. Dabei dürfen die Einnahmen des Unternehmers aus sämtlichen unternehmerischen Tätigkeiten nachhaltig 22.000 € pro Kalenderjahr nicht übersteigen.

    Die umsatzsteuerlichen Erklärungspflichten sind deutlich reduziert und die Einnahmen sind nicht der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Ein Vorsteuerabzug kann nicht geltend gemacht werden.
     

  7. Kann die umsatzsteuerliche Kleinunternehmerregelung auch bei vor dem 01.01.2023 angeschaffte PV-Anlagen angewandt werden?

    Ja, wenn die Voraussetzung (s. Frage 6) erfüllt werden, kann die Kleinunternehmerregelung auch beim Betrieb von Anlagen, die vor dem 01.01.2023 angeschafft wurden, angewendet werden.

    Sollte allerdings bei der Anschaffung der PV-Anlage auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichtet worden sein, ist eine Anwendung dieser Regelung für fünf Jahre ausgeschlossen. Zudem könnte es bei einer Rückkehr zur Kleinunternehmerregelung zu einer (teilweisen) Rückzahlung der bei Anschaffung in Anspruch genommenen Vorsteuer kommen.

FAQ Antworten auf die häufigsten Fragen

Eine der Voraussetzungen für die Annahme einer gewerblichen Tätigkeit nach dem Einkommensteuerrecht ist, dass diese mit der Absicht betrieben wird, Gewinne zu erzielen (§ 15 Absatz 2 Satz 1 Einkommensteuergesetz). Dies bedeutet, dass für die gesamte Dauer, also von der Gründung bis zur Einstellung oder bis zum Verkauf des Betriebs, ein positives Gesamtergebnis (Totalgewinn) angestrebt werden muss. Wird eine Tätigkeit ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben, liegt steuerlich eine sog. „Liebhaberei“ vor. In diesen Fällen ist die Tätigkeit ertragsteuerlich unbeachtlich.

Nein, eine Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von über 10,0 kW (peak), deren maximale Werkleistungseinspeisung aufgrund der vorgenannten Regelung dauerhaft auf 70 Prozent begrenzt ist, fällt nicht unter die Vereinfachungsregelung des BMF-Schreibens vom 29.10.2021, BStBl I 2021 Seite 2202.

Als Betreiberin oder Betreiber von einer oder mehrerer Photovoltaikanlagen müssen Sie für die Prüfung der 10,0 kW (peak)-Grenze die installierten Leistungen aller Ihrer Photovoltaikanlagen zusammenrechnen. Dies gilt sowohl für Fälle, in denen die Photovoltaikanlagen zusammen auf einem Grundstück installiert sind als auch dann, wenn diese getrennt auf verschiedenen Grundstücken installiert sind. Dabei ist es unerheblich, ob die Anlagen technisch voneinander getrennt sind. Auch solche Anlagen sind einzubeziehen, die die übrigen Voraussetzungen der Vereinfachungsregelung nicht erfüllen (z.B. Anlagen, deren Strom einem Mieter zur Verfügung gestellt wird).

Ja. Für die Inanspruchnahme ist es unschädlich, wenn der Strom ausschließlich in das öffentliche Stromnetz eingespeist und verkauft wird. Eine Eigennutzung des Stroms muss nicht erfolgen.

Die Vereinfachungsregelung hat zur Folge, dass die Photovoltaikanlage(n) von Anfang an ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden. Zu Nachzahlungen für Vorjahre kann es kommen, wenn die Steuerbescheide noch geändert werden können und aus dem Betrieb der Photovoltaikanlagen bisher Verluste berücksichtigt wurden. In diesem Fall können auch Nachzahlungszinsen anfallen. In Vorjahren, deren Bescheide nicht mehr geändert werden können, verbleibt es bei der bisherigen steuerlichen Behandlung.

Ungeachtet der Vereinfachungsregelung besteht die Möglichkeit, dass mangels Gewinnerzielungsabsicht eine einkommensteuerlich unbeachtliche Tätigkeit, eine sog. Liebhaberei vorliegt. Es treten grundsätzlich die gleichen ertragsteuerlichen Folgen ein wie bei einer Inanspruchnahme der Vereinfachungsregelung. In diesem Fall wird das Fehlen einer Gewinnerzielungsabsicht von Ihrem Finanzamt aber nicht pauschal unterstellt, sondern muss durch geeignete Unterlagen von Ihnen nachgewiesen werden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in diesem Internetbeitrag unter „Das gilt für die Einkommensteuer“.

Nein, die Vereinfachungsregelung betrifft lediglich die Gewinnerzielungsabsicht für einkommensteuerliche Zwecke. Hinsichtlich der Umsatzsteuer gelten weiterhin die allgemeinen Regelungen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass die steuerliche Thematik hier nur kurz angesprochen werden kann. Sofern möglicherweise individuelle Besonderheiten zu beachten sind, bietet sich die Beratung durch eine Angehörige bzw. einen Angehörigen der steuerberatenden Berufe an. Sollten Sie noch weitere Fragen haben, können Sie sich auch an ihr örtlich zuständiges Finanzamt wenden. Bitte haben Sie aber auch hier Verständnis, dass die Finanzämter nicht im Einzelfall beraten können bzw. dürfen, wie z.B. ein möglichst günstiges steuerliches Ergebnis erzielt werden kann. Diese Aufgabe ist den Angehörigen der steuerberatenden Berufe vorbehalten.