Künstliche Intelligenz in der Finanzverwaltung NRW

Die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen geht beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der öffentlichen Verwaltung große Schritte. Als moderne und digital aufgestellte Finanzverwaltung setzen wir auf innovative Technologien – und gestalten ihren Einsatz verantwortungsvoll und zukunftsorientiert.

Sicherer Einsatz mit klaren Regeln

Der Einsatz moderner Technologien soll Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Finanzverwaltung in ihrer täglichen Arbeit unterstützen und zugleich den Service für Bürgerinnen und Bürger verbessern – in klaren Grenzen und mit klarer Verantwortung. Die Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen verfolgt eine KI-Strategie, die drei Leitlinien verfolgt:

  1. Verantwortung, Skilling und „Human-in-the-Loop“: 
    KI wird als unterstützendes Werkzeug eingesetzt und ersetzt nicht die fachliche Expertise der Beschäftigten. In einem hochsensiblen Umfeld, in dem personenbezogene Steuerdaten und wirtschaftlich relevante Unternehmensdaten verarbeitet werden, verbleibt die Verantwortung für das Verwaltungshandeln ausdrücklich bei den qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Um ein optimales Zusammenwirken von Mensch und Technik zu erreichen, ist ein umfassendes Skilling der Beschäftigten zum Aufbau von KI Kompetenzen vorgesehen.

     

  2. Technologieoffenheit, Datensicherheit und Multi-Vendor-Ansatz: 
    Die Finanzverwaltung verfolgt eine technologieoffene Multi-Vendor-Strategie. Sowohl kommerzielle Lösungen (z. B. Microsoft Copilot, ChatGPT, Google Gemini) als auch Open-Source-Modelle (z. B. Mistral) und landeseigene Ansätze (NRW.Genius) werden erprobt und bewertet. Einschränkende Vorfestlegungen auf bestimmte Technologien und Tools bestehen nicht. Den Rahmen, welche Technologien in Betracht kommen, gibt u.a. das zu erzielende Schutzniveau vor.

     

  3. Mut zum Ausprobieren und offene Fehlerkultur:
    Innovation erfordert die Bereitschaft, neue Ansätze auszuprobieren und unkonventionelle Wege zu gehen. Eine offene Fehlerkultur ist von zentraler Bedeutung.
     

Die Nutzung generativer KI-Chatbots wie ChatGPT und Google Gemini sind offiziell für den dienstlichen Gebrauch unter klaren Rahmenbedingungen und unter Wahrung des Steuergeheimnisses freigegeben – etwa zur Texterstellung, Recherche oder Bildgenerierung. Ein entsprechender Erlass definiert die organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und sorgt für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Tools. Die inhaltliche Verantwortung für die mit KI generierten und im Arbeitsalltag verwendeten Ergebnisse verbleibt bei den Beschäftigten. 

KI im Alltag & Pilotprojekte

  • Einführung eines KI-Moduks in der Steuerveranlagung
    Im Mai 2025 startete ein bundesweit einmaliger Praxistest: In den Finanzämtern Brühl, Bielefeld‑Außenstadt, Hamm und Lübbecke sowie seit Oktober 2025 auch in den Finanzämtern Dortmund-Hörde, Düsseldorf-Süd, Geilenkirchen und Kleve wurde ein KI-Modul im Rahmen des bundesweiten KONSENS-Verbunds eingesetzt, das durch Mustererkennung in Steuerdaten risikoarme Fälle identifiziert, die dann automatisch bearbeitet werden.

    Das Ziel: Zeitersparnis für Bürgerinnen und Bürger, Entlastung der Beschäftigten und mehr Fokus auf komplexe Fälle.

    Ab Frühjahr diesen Jahres setzt Nordrhein-Westfalen das KI-Modul flächendeckend ein.

     

  • Praxiserprobung: KI als Werkzeug im Arbeitsalltag

    Darüber hinaus treibt die Finanzverwaltung NRW die Erprobung von KI auch in der Breite voran. Dazu testet sie aktiv und fortlaufend KI-Funktionen unterschiedlicher Dienste und Anbieter. Ziel dieser Praxistests ist es, wertvolle Erfahrungen im Umgang mit den neuen Technologien zu sammeln und sicherzustellen, dass KI zielgerichtet und mit einem klaren Mehrwert für die Beschäftigten in den Arbeitsalltag integriert wird. Ein konkretes Beispiel hierfür ist die aktuelle Pilotierung einer KI-gestützten Recherchemöglichkeit in einem führenden juristischen Fachportal. Diese Funktion soll die mitunter aufwendige Suche nach relevanten Urteilen, Gesetzen und Kommentierungen erheblich beschleunigen, die tägliche Arbeit der Fachkräfte spürbar unterstützen und so Freiräume für anspruchsvolle Aufgaben schaffen. Außerdem ist die Finanzverwaltung an der landesweiten Testung des nordrhein-westfälischen Verwaltungschatbots "NRW.Genius" aktiv beteiligt.

     

  • Podcast „Deine Zukunft steuern“ (April 2025)
    Ein komplett KI-produzierter Ausbildungspodcast – wurde erfolgreich veröffentlicht und zeigt, wie KI kreativ und effizient genutzt werden kann. 

    Cover des KI-Podcasts: Eine junge Frau und ein junger Mann mit einem Tablet, vor ihnen ein Mikrofon, hinter ihnen grafisch dargestellte Sprachwellen.

    Die Hosts tauchen ein in die Welt der Steuern und erklären, was die Finanzverwaltung genau macht und warum Steuern wichtig sind. Außerdem geben sie exklusive Einblicke in die Ausbildung und das Studium. Jede Folge bietet spannende Einblicke und zeigt praxisnah, wie abwechslungsreich und chancenreich eine Karriere bei der Finanzverwaltung für Nordrhein-Westfalen ist. 

    Jetzt reinhören!

Technische Basis: Hochmodernes Rechenzentrum

In Kaarst entsteht bis Herbst 2026 eines der modernsten Rechenzentren Deutschlands – Heimat für ca. 1.000 Beschäftigte der Finanzverwaltung.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem zukunftsfähigen und sicheren Einsatz von Künstlicher Intelligenz: Im neuen Rechenzentrum ist der Betrieb eigener KI-Hardware geplant, um digitale Souveränität und Datensicherheit zu gewährleisten. Damit bildet es die technologische Grundlage für zukünftige KI‑Anwendungen.

Minister Dr. Marcus Optendrenk

Forschung und Prävention – KI in der Steuerfahndung

Künstliche Intelligenz wird dabei helfen, in digitalen Asservaten Beweise für Terrorfinanzierung zu finden. 

Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) hat im Juni 2025 eine Forschungskooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) geschlossen. Das Ziel: Die Entwicklung eines eigenen KI‑Prototypen, der digitale Asservate auf verdächtige Transaktionen hin analysiert. Mit Unterstützung von KI kann sich die Steuerfahndung rasch und zielgerichtet durch große Datenmengen arbeiten und speziell die Verdachtspunkte aufdecken, die auf Transaktionen zugunsten der Terrorismusfinanzierung hinweisen.

Digitale Kompetenz im Team: KI-Skilling

Nordrhein-Westfalen setzt auf umfassende initiativen zur KI-Kompetenz. Zusammen mit Microsoft wurde 2025 eine KI‑Skilling-Initiative gestartet. Mit der landesweiten Schulungsinitiative werden knapp 200.000 Lehrkräfte, rund 33.000 Beschäftigte der Finanzverwaltung und voraussichtlich auch Auszubildende fit gemacht für den souveränen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. 

Den Anfang machten digitale Lernmodule in der finanzverwaltungseigenen digitalen Lernumgebung, die grundlegende Kompetenzen im Umgang mit KI vermitteln – flexibel, dienstlich einsetzbar und für die Beschäftigten kostenfrei.

Die Finanzverwaltung baut ihr Schulungsangebot sukzessive weiter aus. Mit der Schulungsinitiative wird ein flächendeckender Zugang zu KI-Basis-Kompetenz geschaffen, damit die Finanzverwaltung noch digitaler, leistungsfähiger und zukunftsfester wird.

Arbeiten mit Zukunft

Als moderne Finanzverwaltung stehen wir für digitalen Fortschritt, Innovationsgeist und verantwortungsvolle Technologie. Unsere Beschäftigten gestalten aktiv den Wandel – mit klaren Regeln, effektiven Werkzeugen und erstklassiger Infrastruktur. KI ist ein Werkzeug, das Prozesse beschleunigen, Routinetätigkeiten erleichtern und damit die Effizienz in der Verwaltung steigern soll. So schaffen wir Freiräume für komplexe Aufgaben und verbessern den Service für die Bürgerinnen und Bürger.

Der verantwortungsvolle Umgang mit KI steht dabei immer im Mittelpunkt. Klare Regeln, transparente Standards und die fachliche Kontrolle durch die Beschäftigten sorgen dafür, dass Künstliche Intelligenz sicher und unter Wahrung des Steuergeheimnisses eingesetzt wird.