21.10.2026

Ermittlungskomplex Midas: LBF NRW wirkt an Zerschlagung eines internationalen Smartphone-Karussells mit

Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen (LBF NRW) hat als deutsche Ermittlungsbehörde an einem der größten Umsatzsteuer-Betrugskomplexe der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) mitgewirkt. Im Ermittlungskomplex Midas wurden in dieser Woche fünf Verdächtige in Zypern, Deutschland und Italien festgenommen. Der Gesamtschaden des Betrugsnetzwerks wird auf bis zu 195 Millionen Euro geschätzt.

Der Ermittlungskomplex Midas richtet sich gegen eine kriminelle Organisation, die seit mindestens 2017 über ein Geflecht aus Scheinfirmen, Strohleuten und verdeckten Kommunikationswegen Umsatzsteuer in großem Stil hinterzogen haben soll. Als Handelsware dienten Smartphones, Kleinelektronik und zeitweise auch Schutzmasken. Die Ermittlungen erstrecken sich über 17 Länder.

 

So funktioniert der Betrug

Bei einem Umsatzsteuerkarussell nutzen Tätergruppen aus, dass Lieferungen zwischen EU-Mitgliedstaaten von der Umsatzsteuer befreit sind. Die Ware wird über Landesgrenzen gehandelt und im Zielland mit Umsatzsteuer weiterverkauft. Ein Glied der Kette, der sogenannte Missing Trader, führt die vereinnahmte Steuer nicht an das Finanzamt ab, sondern verschwindet. Über mehrere Handelsstufen und Ländergrenzen hinweg wiederholt sich dieses Muster, bis der Steuerschaden in die Millionen wächst. Im Fall Midas sollen Scheinfirmen in Deutschland, Albanien und Schweden den Handel mit Smartphones abgewickelt haben. Allein für diesen Verfahrensstrang schätzt die EPPO den Schaden auf 114 Millionen Euro: rund 80 Millionen Euro in Schweden und 34 Millionen Euro in Deutschland.

 

Festnahmen und Durchsuchungen in vier Ländern

Die fünf Festgenommenen sollen das Betrugssystem aufgebaut und gesteuert haben. Drei von ihnen wurden in Zypern festgenommen, je einer in Deutschland und Italien. Behörden in Zypern, Griechenland und Italien vollstreckten zwölf Durchsuchungsbeschlüsse in Geschäfts- und Privaträumen der Beschuldigten. Bankguthaben wurden eingefroren, Fahrzeuge und Immobilien beschlagnahmt. Bereits bei den ersten Durchsuchungen im Februar 2024 hatten die Ermittler Smartphones im Wert von mehr als 15 Millionen Euro, eine Jacht sowie Bargeld und Kryptowährungen in Millionenhöhe sichergestellt.

Stephanie Thien, Leiterin des LBF NRW: „Umsatzsteuerkarusselle sind organisierte Kriminalität im Steuerrecht. Die Tätergruppen operieren über Ländergrenzen, verschleiern ihre Strukturen hinter Scheinfirmen und reagieren schnell, wenn Ermittler ihnen nahekommen. Wer solche Netzwerke zerschlagen will, braucht Behörden, die genauso vernetzt und genauso ausdauernd arbeiten. Bei Midas dauern die Ermittlungen seit über zwei Jahren an. Dass jetzt fünf Verdächtige in Haft sind, zeigt: Dieser Aufwand zahlt sich aus.”

Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung, bis ein zuständiges Gericht rechtskräftig über die Vorwürfe entschieden hat.

 

Verlässliche Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

Das LBF NRW war auf deutscher Seite in die Ermittlungen eingebunden und arbeitete mit der EPPO in München sowie Partnerbehörden in Zypern, Griechenland und Italien zusammen. An den Maßnahmen beteiligt waren unter anderem die zyprische Steuerbehörde und Polizei, die griechische Finanzpolizei sowie die italienische Guardia di Finanza.

 

Das LBF NRW

Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen bündelt seit Januar 2025 Steuerfahndung, Geldwäschebekämpfung und Vermögensabschöpfung unter einem Dach. Mit rund 1.200 Beschäftigten ist es die größte Behörde dieser Art in der Bundesrepublik. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf grenzüberschreitenden Großverfahren, bei denen das LBF NRW als Schnittstelle zu Partnerbehörden im EU-Ausland und zur Europäischen Staatsanwaltschaft fungiert.

Die EPPO ist die unabhängige Strafverfolgungsbehörde der Europäischen Union für Straftaten gegen die finanziellen Interessen der EU.